Manila – Alain Robert ist ein Wiederholungstäter, aber das macht sein Schaffen deshalb nicht langweilig, nicht routiniert, nicht öd. Augenzeugen in Manila können dies wohl bestätigen. In der philippinischen Hauptstadt nämlich stand des Fassadenkletterers jüngstes Opfer, wenn man so will. Am Boden gafften zahlreiche Passanten mit großen Augen gen Himmel, als der auch als französischer Spiderman bekannte Robert am Dienstag den 217 Meter hohen GT International Tower ohne Probleme und ohne viel Ausrüstung erklomm.

Höhenangst ist etwas, mit dem sich Alain Robert offenbar nicht herumquälen muss, wie er in Manila erneut unter Beweis stellte.
Rappler

Dass er auf dem Weg nach unten von der Polizei festgenommen wurde, weil er keine behördliche Erlaubnis für seine Aktion besaß, dieses Gefühl ist ihm ebenfalls bestens bekannt. Denn Robert, dieser wagemutige Freikletterer, pfeift gerne mal auf Behörden mit ihren Bestimmungen, die ihm seine Besteigungen verbieten wollen. Und so ist er mit den Behörden etwa in den USA, China oder Malaysia bereits in seinerseits unfreiwilligem Kontakt gestanden.

Ausgerüstet war Robert lediglich mit Kletterschuhen und Kletterkreide.
Reuters/Eloisa Lopez

Vor dem GT International Tower hatte Robert unter anderem bereits von der Spitze des Eiffelturms gegrüßt, des Empire State Building oder des Burj Khalifa, des mit 828 Meter höchsten Gebäudes der Welt. Insgesamt sind es bereits über 70 Gebäude und Monumente, die der Franzose abhaken kann.

Sein Publikum ist meist recht groß.
Foto: AFP/TED ALJIBE

Robert, dem 2009 die Doku Der Spinnenmann gewidmet wurde, lässt sich von seiner Passion kaum abbringen. Von Behörden ebenso wenig wie von zwei Stürzen im Jahr 1982. Nach einem der Stürze lag er fünf Tage im Koma, ihm wurde dabei eine 66-prozentige Behinderung prognostiziert und dass er nie mehr klettern könne. Sechs Monate später war er wieder in der Vertikalen unterwegs.

Die Festnahme war Robert offenbar recht wurscht.
Foto: AP Photo/Bullit Marquez

Auch vom Alter will er sich nicht ausbremsen lassen. Solange er fit genug dafür sei, möchte der 56-Jährige weiterklettern. Und was das Risiko betrifft, sagte er einmal: "Ich weiß, dass manche das Wort verrückt benutzen – aber es gibt eine gute Verrücktheit und eine böse. Das ist die, die dich in die Psychiatrie bringt." (ksh, 29.1.2019)