Almoez Ali Zainalabiddin Abdulla stürmte einst in Oberösterreich. Jetzt ist er drauf und dran, bester Schütze des Asien-Cups zu werden.

Foto: AP/ Hassan Ammar

Allerdings ist er wie seine katarischen Kollegen nicht nur Zielscheibe für Schuhe und Flaschen.

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Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, klammert sich der Fußballverband der Vereinigten Arabischen Emirate an einen Strohhalm. Katar, der ungeliebte Nachbar und Gast sowie Bezwinger der Ausrichtermannschaft im Semifinale des Asien-Cups, soll das bisher beste Abschneiden seiner Teams bei der Kontinentalmeisterschaft mit unlauteren Mitteln möglich gemacht haben.

Der WM-Gastgeber 2022, der am Freitag um 15 Uhr MEZ in Abu Dhabi gegen Japan antreten soll, könnte mit Stürmer Almoez Ali und Verteidiger Bassam Al-Rawi zwei nicht spielberechtigte Akteure im Turnier eingesetzt haben. Der im Sudan geborene Ali, der mit acht Treffern die Torschützenliste anführt, und der einer irakischen Familie entstammende Al-Rawi behaupten, dass ihre Mütter in Katar geboren sind. Den Statuten des Weltverbands Fifa zufolge unterliege ihre Spielberechtigung deshalb keinen Beschränkungen.

Dem Verband der Emirate liegen aber offenbar Dokumente vor, die belegen, dass Al-Rawis Mutter in Bagdad zur Welt kam, weshalb ihr Sohn ab Vollendung des 18. Lebensjahrs mindestens fünf Jahre durchgängig in dem Land wohnen müsste, für das er spielen will. Al-Rawi ist 21. Beim 22-jährigen Ali, der 2015/16 beim LASK und Pasching/Juniors OÖ spielte, soll der Fall ähnlich liegen.

Team der Vielfalt

Nahezu die Hälfte der Spieler der katarischen Auswahl hat Migrationshintergrund. Die meisten der Fußballer mit sudanesischen oder algerischen Wurzeln sind laut Verband allerdings in Doha geboren. Zudem sind sie fast durchwegs in der katarischen Liga beschäftigt. Halten allerdings die erst nach dem Halbfinale zwischen den Emiraten und Katar vorgelegten Papiere zu Ali und Al-Rawi einer Überprüfung durch die zuständigen Gremien der Asian Football Confederation (AFC) und der Fifa stand, könnten die in der Vorschlussrunde eigentlich mit 0:4 unterlegenen Gastgeber das Endspiel gegen Japan in der Zayed Sports City bestreiten.

Tatsächlich dürfte die Entscheidung nicht rechtzeitig fallen. Die Japaner, die den Asien-Cup zum fünften Mal gewinnen können, stellen sich jedenfalls auf Katar und quasi ein Heimspiel ein.

Denn Katar ist in der Region nicht wegen seiner Einbürgerungspraxis, sondern aus politischen Gründen höchst unbeliebt. Unter dem Vorwurf, dass Katar Terror unterstütze, hatten im Juni 2017 vier arabische Staaten, darunter die Emirate, die diplomatischen Beziehungen zum Emirat an der Ostküste der Arabischen Halbinsel abgebrochen.

Die Stimmung ist angespannt, im Halbfinale am Dienstag war im Stadion in Abu Dhabi die Volksseele übergekocht. Als Fans von Katar schon munter den Triumph über die Gastgeber und den Finaleinzug feierten, wurden sie mit Schuhen beworfen. Ein Akt absoluter Geringschätzung. Die Stimmung auf den Rängen war derart aufgeheizt, dass der Schiedsrichter die Partie mehrmals unterbrach.

Akademie des Strebens

Katars Coach Felix Sanchez gibt sich äußerlich unbeeindruckt. "Ich mache mir darüber keine Sorgen", sagte der Spanier. "Wir sind isoliert und schauen nicht nach draußen." Für den Erfolg seiner Mannschaft – schon im vergangenen November hatte Katar mit einem 1:0-Testsieg gegen die verstärkte B-Auswahl der Schweiz in Lugano aufhorchen lassen – zeichnet vor allem die 2004 ins Leben gerufene Aspire-Sportakademie verantwortlich, die auch den belgischen Klub KAS Eupen kaufte und mit Talenten beschickte. Im 290.000 Quadratmeter großen und 760 Millionen Dollar teuren Trainingszentrum werden die besten Talente ausgebildet. Neben anderen internationalen Fachleuten kam auch Sanchez nach seiner Zeit an der Fußballakademie des FC Barcelona nach Doha. Mehrere Jahre lehrte der Katalane an der Akademie und übernahm Jugendauswahlen, ehe er im Sommer 2017 Nationaltrainer wurde.

Im Gegensatz zu seinem spanischen Kollegen Valero Rivera bei den Handballern, der wegen der seinerzeit laxen Übertrittsregeln – nur drei Jahre Wartezeit beim Nationenwechsel von A-Teamspielern – mit hartgesottenen Profis aus Bosnien, Serbien, Montenegro, Frankreich und Kuba arbeiten kann, muss Sanchez Talente hochziehen. Weshalb bei der WM 2022 für die Gastgeber ein Abschneiden wie jenes der katarischen Handballer, die bei ihrer Heim-WM 2015 das Finale schmückten, schier unmöglich sein dürfte. (sid, APA, lü, 31.1.2019)