Nayib Bukele wird mit 37 Jahren der jüngste Staatschef El Salvadors.

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"Wir haben Geschichte geschrieben", sagt Nayib Bukele mit einem schüchternen Lächeln. Der 37-Jährige mit Lederjacke und Baseball kappe, der sich gerne in sozialen Netzwerken herumtreibt, hat beide Traditionsparteien El Salvadors in der ersten Runde mit einem K.-o.-Sieg ausgeschaltet und sich zum jüngsten Präsidenten El Salvadors gekürt.

Doch nun muss der Unternehmer beweisen, dass er den hohen Erwartungen gerecht wird. El Salvador ist ein kleines Land mit unproduktiver Wirtschaft, hoher Gewaltkriminalität, ausufernder Korruption und einer starken Auswanderung. Im Wahlkampf verkaufte sich Bukele als Gegenkandidat zum Establishment, doch als Sohn palästinensischer Geschäftsleute gehört er zu denen, die wirtschaftlich ausgesorgt haben.

Noch während des Studiums übernahm er die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Werbeagentur seines Vaters und sanierte sie. Er interessierte sich früh für Politik – und wählte die linke Ex-Guerilla-Partei Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (FMLN). In ihrem Schatten wurde Bukele groß, erst als Bürgermeister von Nuevo Cuscatlán, dann in der Hauptstadt, deren verruchtes Stadtzentrum er mit Parks und Fußgängerzonen verschönerte. Er war populär und ehrgeizig. Doch das Korsett einer Partei, in der der marxistische Flügel noch immer viel Einfluss hat, war bald zu eng. 2017 wurde er nach öffentlicher Kritik im Schnellverfahren aus der regierenden FMLN ausgeschlossen.

Unklares Programm

Daraufhin gründete er seine eigene Bewegung Nuevas Ideas. Die nötigen Unterschriften hatte er zwar beisammen, aber das Wahlgericht zögerte die Anerkennung so lange hinaus, bis die Einschreibungsfrist für die Präsidentschaftswahl verstrichen war. Unterschlupf fand er schließlich bei Gana (Ich gewinne), einer Abspaltung der rechtskonservativen Arena.

Wofür der werdende Vater genau steht, ist unklar. Er hat einen unerbittlichen Kampf gegen Korruption versprochen und bezeichnet sich selbst als Bewunderer des linksnationalistischen mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador – doch Gana ist eine konservative, zutiefst korrupte Partei. Seine eigenen Wahlkampffinanzen sind obskur. An TV-Duellen nahm er nicht teil.

Zumindest außenpolitisch wird es einen klaren Kurswechsel geben: Die von der FMLN gepflegte Solidarität mit linken Diktaturen in Nicaragua und Venezuela hat Bukele aufgekündigt. (Sandra Weiss, 4.2.2019)