Geben ihre Abschiedsvorstellung bei der Ski-WM: Aksel Lund Svindal and Lindsey Vonn.

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Vor der dieser Tage gut gekühlten Gondelbahn führte schon seit 1910 eine Standseilbahn auf den Åreskutan, den Skiberg, über dessen Flanke die WM geht.

Foto: REUTERS/Christian Hartmann

Die Pisten sind ready.

Foto: APA/EXPA/JOHANN GRODER

Beißende Kälte, durchdringender Wind, knirschender Schnee – perfekte Bedingungen, um vor knisterndem Kaminfeuer die klammen Hände und vereisten Gesichtspartien wieder zum Leben zu erwecken. Aber nicht unbedingt ideale Verhältnisse für jenes Fest, das am Montagabend in Åre feierlich eröffnet wurde: die 45. Alpinen Skiweltmeisterschaften.

So gesehen mag es nicht verwundern, dass der kleine Ort rund 100 Kilometer nordwestlich von Östersund lange Zeit fast ausschließlich Sommerfrischler anlockte, bis 1940 mit dem ersten Skilift Schwedens der 1420 Meter hohe Hausberg Åreskutan erschlossen wurde und somit auch die Herzen der Wintersportler höherschlagen ließ.

Dritte WM in der 1400-Seelen-Gemeinde

Zum bereits dritten Mal nach 1954 und 2007 steigt nun in der 1400-Seelen-Gemeinde die WM. Olympische Winterspiele vermochte man auch in elf Anläufen mit verschiedenen Partnern nicht zu verwirklichen. Zuletzt scheiterte eine gemeinsame Bewerbung mit Stockholm für die Spiele 2022 am Widerstand aus dem Volk und der Politik. Die zu erwartenden hohen Kosten brachten das Projekt zu Fall.

Das aber ist Schnee von gestern, neuer ist gerade rechtzeitig gekommen, und der hat manchen Rennläufern wie auch Betreuern, Freunden, Angehörigen, Fanclubs und Medienvertretern die Anreise ein wenig vermiest.

Das WM-Organisationskomitee kalkuliert dennoch mit einem vergleichsweise großen Ansturm, hofft auf 120.000 Besucher bei den Rennen der rund 600 Teilnehmer aus 70 Nationen. Kalkuliert wird mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro. Jährlich sollen sich insgesamt bis zu einer halben Million Skitouristen auf 90 Pistenkilometern tummeln. 32.000 Gästebetten stehen im schmucken Ort am Åresjön-See parat.

Gute Erinnerungen

Auch nicht zu verachten sind die Erfolge der Österreicher in Åre. Beim Weltcupfinale 2018, der Generalprobe für die WM, holten sich Matthias Mayer und Vinzent Kriechmayr gleichauf den Abfahrtssieg, Kriechmayr gewann zudem den Super-G, Marcel Hirscher schlug im Riesentorlauf zu.

Bei der WM 2007 hatten sich die Österreicher in Åre mit dreimal Gold, dreimal Silber und dreimal Bronze belohnt. Mario Matt avancierte sechs Jahre nach Gold in St. Anton erneut zum Slalomweltmeister, Nicole Hosp entschied den Riesentorlauf für sich, im Teambewerb triumphierten Renate Götschl, Michaela Kirchgasser, Marlies Schild, Mario Matt, Benjamin Raich und Fritz Strobl.

Noch wesentlich erfolgreicher waren Aufgebote des österreichischen Skiverbandes an anderen Orten. Zum Beispiel 1991 in Saalbach-Hinterglemm mit fünf Goldenen, drei Silbernen und drei Bronzenen. Noch etwas besser lief es 1999 in Vail, als fünf Goldmedaillen, drei Silberne und fünf Bronzene herausschauten. Unangefochten an der Spitze der ÖSV-Erfolge steht aber Chamonix 1962 mit sechsmal Gold, viermal Silber und fünfmal Bronze.

Hirscher greift nach Rekorden

In den kommenden zehn Tagen sind in Åre internationale österreichische Meisterschaften aber eher auszuschließen. Immerhin könnte Marcel Hirscher, der Doppelolympiasieger von Pyeongchang, sogar mit einer geringeren Ausbeute als in St. Moritz 2017 (Gold in Slalom und Riesenslalom, Silber in der Kombination) an Toni Sailer vorbeischwingen, der mit sieben Goldmedaillen noch immer die Liste der erfolgreichsten Herren bei Weltmeisterschaften vor dem Salzburger und dem Franzosen Jean-Claude Killy (jeweils sechs Goldene) anführt. Gelingt Hirscher der dritte WM-Coup im Slalom, würde er mit Schwedens Legende Ingemar Stenmark gleichziehen.

Dieses Stück spielt es am letzten Wettkampftag der WM am 17. Februar. Am ersten spielt es Super-G der Damen. Nicole Schmidhofer gibt die Titelverteidigerin. "Ich bin gut drauf und spüre keine Nervosität", sagte die Steirerin, die sich als Vierte des ersten Abfahrtstrainings flott an den schwedischen Schnee gewöhnt hatte. (Thomas Hirner, 4.2.2019)