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Interviews mit polarisierenden bis unterirdischen Aussagen sind bei Gian-Franco Kasper (75) keine Alterserscheinung. Der seit Mai 1998 als erst vierter Präsident des internationalen Skiverbandes (Fis) amtierende Schweizer – sein Vorgänger Marc Hodler herrschte schlanke 47 Jahre – war schon in jüngeren Jahren nicht bereit, der zu erwartenden Reaktionen wegen aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen. Geradezu legendär war sein Argument gegen das Frauenskispringen. Der Mann aus St. Moritz, damals noch Fis-Generalsekretär, hatte seiner Befürchtung Ausdruck verliehen, dass es den Springerinnen "bei der Landung die Gebärmutter zerreißen" könnte.

Kaspers Auslassungen anlässlich der alpinen WM in Åre, notiert vomTages-Anzeiger, sind auch nicht von schlechten Eltern. Das Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dem er regulär 18 Jahre lang angehörte, präferiert also Olympische Spiele in Diktaturen, weil er sich "nicht mit Umweltschützern herumstreiten" will. Naturfrevel im Namen des Pistenbaus stehe den Ausrichtern zu. In China, wo die Winterspiele 2022 stattfinden, sei das ohnehin kein Problem, weil "schon alles gefällt" sei. Für die Erderwärmung gebe es "keine Beweise" – und überhaupt: "Wir haben Schnee, zum Teil sehr viel."

Nicht Medizin oder Ökologie, sondern Psychologie, Philosophie und Journalismus hat Kasper in Zürich studiert. Er engagierte sich im Tourismus seiner Engadiner Heimat, schrieb für Lokalzeitungen wie denCourrier de St-Moritz und diente dem Schweizer Tourismus in der weiten Welt. Da fiel er Hodler auf und wechselte in die Fis.

Das Präsidentenamt trat Kasper als Reformer an. Der mehrsprachige ehemalige Wintersportler versauerte nicht am Schreibtisch der Fis-Zentrale in Oberhofen am Thunersee, nahe der er mit seiner Frau lebt. Der dreifache Vater, inzwischen kein Kettenraucher mehr, ist bei Großereignissen stets vor Ort und nimmt sich da kein Blatt vor den Mund. Legendär sind die Sträuße, die er mit Peter Schröcksnadel, dem auch nicht meinungsschwachen Präsidenten des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), ausgefochten hat.

Erst im Mai vergangenen Jahres wurde Kasper als Präsident zum fünften Mal bestätigt. Ewig will er es aber nicht bleiben. Er sei ja nicht Sepp Blatter. Das Amtsverständnis des ehemaligen Herrn des Weltfußballs war – Landsmann hin oder her – sogar Kasper zu steil. (Sigi Lützow, 5.2.2019)