Wer bei der Arbeit in einem Hotel in Kärnten patzt, muss zahlen.

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Klagenfurt – Für Aufregung hat am Freitag ein "Strafenkatalog" für Mitarbeiter eines Kärntner Hotels gesorgt. Wie die "Kronen Zeitung" und "orf.at" berichteten, sieht die Liste Strafzahlungen für verschiedene "Vergehen" vor. Ist etwa die Uniform nicht korrekt, trägt ein Mitarbeiter womöglich die falschen Schuhe, hat er die Krawatte vergessen oder ist die Unterhose auffällig, fallen jeweils zwei Euro an. Gleich hoch ist das Bußgeld für einen nicht gewussten Gang beim Präsentieren des Menüs. Wer mehr als 60 Minuten zu spät kommt, muss zehn Euro zahlen und verliert einen halben freien Tag. Auch für ein unrasiertes Gesicht oder ein zerbrochenes Glas sollen Angestellte zur Kasse gebeten werden.

Der Hotelchef spricht den Medienberichten zufolge von "erzieherischen Maßnahmen". Das gesammelte Geld würde letztlich für gemeinsame Aktivitäten eingesetzt werden. Die Geschäftsführung des Hauses wiegelte auf APA-Anfrage ab – die Liste sei keine Vereinbarung, sondern lediglich eine Diskussionsgrundlage, die von Mitarbeitern selbst initiiert worden sei.

Keine rechtliche Grundlage

Solche Strafen seien grundsätzlich nicht erlaubt, sagt Arbeitsrechtsexperte Peter Reichmann gegenüber dem ORF: "Es könnte nur in einer Betriebsvereinbarung eine Disziplinarordnung vereinbart werden. Aber auch hier darf nicht gegen Rechte des Kollektivvertrags oder Gesetze verstoßen werden."

Bei der Kärntner Arbeiterkammer hat man bisher von einem solchen Vorgehen nichts erfahren. Auch Mitarbeiter des Hotels hätten sich nicht gemeldet: "Es gab bisher keine Beschwerden", heißt es auf STANDARD-Anfrage.

Auch die Wirtschaftskammer Kärnten zeigte sich überrascht und vermutet einen "Faschingsscherz" hinter der in der "Krone" zitierten Preisliste. "Es gibt keine rechtliche Grundlage dafür", sagt Wolfgang Kuttnig, Spartengeschäftsführer für Tourismus. Natürlich könne ein Hotel Hausordnungen festlegen und bei Verstößen Mitarbeitergespräche führen oder verwarnen – dürfe sie aber nicht finanziell sanktionieren. Kuttnig hält ein solches Vorgehen für unwahrscheinlich, immerhin würde die Branche mit allen Mitteln versuchen, Mitarbeiter anzulocken.

Geschäftsführung fühlt sich missverstanden

Die Geschäftsführung des Hauses ist jedenfalls nicht erfreut darüber, dass die Liste an die Öffentlichkeit gelangt ist – und fühlt sich missverstanden. "Wir führen Mitarbeitergespräche – und dabei kam auch zur Sprache, dass sich manche Mitarbeiter über Verfehlungen von Kollegen ärgern", so der Geschäftsführer. Man habe also gemeinsam mit Mitarbeitern eine Liste solcher Verfehlungen erstellt, um eine Diskussionsgrundlage zu haben – von einer fixen Vereinbarung sei man weit entfernt. Auch die Beträge seien nicht ernst zu nehmen: "Das kommt so flapsig daher, wenn jemand sagt: Dann muss man halt zwei Euro zahlen." (red, APA, 8.2.2019)