16 Menschen starben bei dem Erdbeben.

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Istanbul – Drei Tage nach dem Einsturz eines hohen Wohnhauses in Istanbul ist die Zahl der Toten auf 21 gestiegen. Es sei nicht sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Opfer unter den Trümmern begraben seien, aber die Suche werde dennoch fortgesetzt, sagte der türkische Innenminister Süleyman Soylu am Samstag. 14 Menschen waren lebend gefunden worden. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte Konsequenzen an.

Sieben von ihnen wurden auf Intensivstationen in Krankenhäusern betreut, berichtete CNN Turk. Das Haus im Stadtteil Kartal auf der asiatischen Seite der türkischen Großstadt, das unterschiedlichen Angaben zufolge sieben oder acht Etagen hatte, war am Mittwochnachmittag aus unbekannten Gründen in sich zusammengefallen. Am Samstag waren sechs Leichen geborgen worden, darunter die eines 44 Jahre alten Mannes und eines einjährigen Mädchens.

Erdogan: "Lektionen zu lernen"

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan besuchte am Samstag zunächst den Unglücksort und später einige der Opfer in einem Krankenhaus. Aus dem Vorfall müssten Lehren gezogen werden, sagte er zu Reportern. "Wir haben eine große Zahl an Lektionen daraus zu lernen", sagte Erdogan am Samstag bei einem Besuch am Unglücksort. "Wir werden die notwendigen Maßnahmen ergreifen."

Erdogan besuchte auch einige Überlebende im Krankenhaus und nahm an der Beerdigung von neun Mitgliedern einer Familie teil, die alle bei dem Einsturz des achtstöckigen Wohnhauses umgekommen waren. Nach Angaben der türkischen Behörden waren insgesamt 43 Bewohner in dem Haus gemeldet gewesen.

"Viele Lektionen" seien zu lernen, so Erdogan.
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Illeagler Aufbau

Laut türkischen Medienberichten waren die obersten drei Stockwerke des Wohnhauses illegal errichtet worden – eine in der Türkei relativ verbreitete Praxis. Ingenieure warnen immer wieder davor, Gebäude aufzustocken, da die zusätzliche Last die Statik gefährde. Überlebende sagten türkischen Medien, das Gebäude sei von Rissen übersät gewesen und habe einige Stunden vor dem Zusammensturz gewankt. Das Unglück am Mittwoch befeuerte Kritik an einer staatlichen Amnestie für die Verantwortlichen für illegale Bauten.

Zehn Gebäude in der Nachbarschaft seien aus Sicherheitsgründen evakuiert worden, sagte der Minister für Umwelt und Stadtplanung, Murat Kurum, am Samstag. Die Einsturzursache werde noch untersucht. Erste Untersuchungen hätten aber den Gebrauch qualitativ schlechter Baumaterialien ans Licht gebracht, sagte Kurum. Er rief die Anrainer auf, den Behörden mögliche Risiken zu melden.

Mehrere Erdbeben in der Vergangenheit

Türkischen Medien zufolge zeigte das Unglück generelle Probleme mit illegalen Konstruktionen. Zudem wiesen Medienberichte auf die Gefährdung des Landes durch Erdbeben hin. Die Türkei hat in der Vergangenheit schwere Erdbeben erlebt. Bei einem Beben in der Nähe von Istanbul waren 1999 mehr als 17.000 Menschen ums Leben gekommen.

Erdogan bestätigte am Samstag, dass die oberen fünf Stockwerke des Gebäudes ohne Baugenehmigung entstanden seien. Seine Regierung werde die notwendigen Maßnahmen treffen, sagte der Präsident. (APA/dpa, 9.2.2019)