Kurz (links) beim Besuch bei seinem japanischen Konterpart Abe.

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Drei Menschen, ein Roboter.

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Zuerst Honda, dann der künftige Kaiser und dann erst der Premier: Der Zeitplan der österreichischen Delegation, die noch bis Sonntag durch Ostasien reist, geriet schon am Vormittag durcheinander, als der Flug von Seoul nach Tokio wegen Schnees um fast zwei Stunden verspätet war – und war am Nachmittag dann entsprechend eng. Bei Kronprinz Naruhito, der am 30. April seinem Vater Akihito als Kaiser nachfolgen soll, gab es die Ehre eines Empfangs und sonst unpolitische Gespräche, denn politisch dürfen sich die Royals nicht äußern. Blieb das Gespräch mit Regierungschef Shinzo Abe.

Geplant waren neben freundlichen Worten zum 150. Jahrestag diplomatischer Beziehungen beider Länder noch Gespräche über Wissenschaft und Handel. Bei Pressestatements nach der Unterredung fügte Kurz einen Fokus hinzu: die österreichische Initiative für ein weltweites Atomwaffenverbot. Abe versicherte gleich mehrfach, mit Kurz "inhaltsreiche Meinungen ausgetauscht" zu haben, er blieb aber Informationen sowohl zum Inhalt als auch zu den Meinungen weitgehend schuldig. Er hoffe auf Unterstützung der Staatengemeinschaft in Sachen der in den 1970er- und 80er-Jahren nach Nordkorea entführten Japaner, sagte er – und er freue sich über Tourismusinitiativen, etwa den neuen Direktflug zwischen Tokio-Haneda und Wien.

Sprungbrett für Osteuropa

Japaner, die mit Österreich bisher nichts anfangen konnten, könnten sich also leichter ein Bild machen, so die Hoffnung. Die japanische Wirtschaft hat bereits eines – sie nimmt das Land durchaus wahr: Österreich wird als entwickeltes Industrieland gesehen, mit dem man gut Geschäfte vereinbaren kann. Vor allem mit industriellen Produkten: So liegen die Schwerpunkte der österreichischen Importe auf Pkws, Baggern und Planierraupen, Elektro- und Medizintechnik. "Neuerdings hat das Interesse an erneuerbaren Energien und Umwelttechnologien zugenommen", erläutert Kiyoshi Koinuma, Japans Botschafter in Wien. Zudem gilt das Land für die Japaner als Ausgangsbasis für die Märkte in Osteuropa.

Die japanische Automobilindustrie hatte am Vormittag den ersten Programmpunkt geboten: Honda lud in seinen Showroom ein. Anlass für den Besuch von Kurz und Infrastrukturminister Norbert Hofer war die Partnerschaft mit dem Formel-1-Team Red Bull. Man ließ sich mit einer Videovorführung über Hondas neueste Entwicklungen berieseln, sprach mit CEO Takahiro Hachigo und ließ sich anschließend mit Asimo fotografieren, dem aufrecht gehenden Roboter. Kurz drehte danach noch eine Runde auf dem Uni Cub, einem Elektroeinrad, das via Gewichtsverlagerung gesteuert wird. Österreichs Wirtschaft erhofft sich von Firmen wie Honda auf lange Sicht etwas über künstliche Intelligent und Robotik lernen zu können.

Musikalische Grüße

Auch ohne 150-Jahr-Jubiläum, das diesmal offizieller Besuchsgrund ist: Die Anziehungskraft Österreichs hat in den Augen vieler Japanerinnen und Japaner tiefe kulturelle Wurzeln. Die Wiener Philharmoniker sollten zum Jubiläum am Samstag ein kurzes Konzert geben; Sängerknaben, Gustav Klimt und Egon Schiele prägen Japans Bild von Österreich. Wien und Salzburg gehören zu den Lieblingszielen japanischer Touristen. 2018 kamen laut Österreich Werbung 220.000 Japaner und verbrachten im Schnitt zwei Nächte – das ist immerhin eine mehr, als die österreichische Delegation bis zu ihrer Abreise in den Sonntagmorgenstunden in Japan verbringen sollte. Sie kommen allerdings wieder: Auch Außenministerin Karin Kneissl und Präsident Alexander Van der Bellen werden in diesem Jahr noch in Japan erwartet. (Manuel Escher und Martin Fritz aus Tokio, 15.2.2019)