Beim Carsharing finden die Autobauer zusammen. Es geht um einen großen Markt.

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Wien/Berlin – Die Auswahl bei Carsharing in Wien und anderen Städten wird kleiner: Daimler und BMW fusionieren ihre Mietflotten, und Wien ist eine von sechs Städten in Europa, in denen Alternativen dünn gesät sind. "Begrenzte Alternativen" gibt es auch in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln und München, dennoch hat die EU-Kommission die Fusion von Car2go und Drive Now genehmigt.

Details der fusionierten Partnerschaft wollen Daimler und BMW am Freitag präsentieren. Klar ist: Millionen Großstädter weltweit werden Mietauto und Taxi, U-Bahn- und Parkticket per Fingertipp bald auf einer Smartphone-App bekommen, vernetzt aus einer Hand. Das sei bequem und gut für Kunden und Unternehmen, sagen Branchenexperten. "Der Kunde will nicht 15 Apps haben", sagt Juergen Reiner, Partner beim Unternehmensberater Oliver Wyman.

Zusammenlegen spart Kosten

Aufbau und Betrieb einer Carsharing-Flotte "ist heute noch ein Zuschussgeschäft", sagt Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Das Zusammenlegen von Verwaltung, Flottenmanagement und Service spare Kosten – und die Kunden bekämen bessere Angebote. Es sei sinnvoll, wenn sich Autobauer "zusammentun im Kampf gegen die Googles, Alibabas, Ubers und Didis dieser Welt. Allein ist man verloren", sagt Dudenhöffer mit Verweis auf Robotaxis.

Zusammen kommen Car2Go und Drive Now weltweit auf rund vier Millionen Kunden und 20.000 Autos. Sie haben große Pläne, wollen global ein bedeutender Player für vernetzte Mobilitätsdienstleistungen werden. Inklusive Taxi-, Mitfahr-, Park- und Ladediensten hat das fusionierte Unternehmen rund 40 Millionen Kunden. Zum Vergleich: Der chinesische Fahrdienstleister Didi hat eine halbe Milliarde Kunden.

In der Branche tut sich was: VW baut am Sammeltaxidienst Moia und Carsharing mit Elektroautos, Toyota und Ford planen gemeinsam, GM arbeitet ebenfalls daran.

Um Marktmissbrauch hintanzuhalten – die Carsharing-Preise in Wien haben seit Herbst leicht angezogen –, haben die Fusionspartner zugesagt, ihre Programmierschnittstellen für andere Anbieter von Meta-Apps zu öffnen, sodass sie die Carsharing-Dienste von Daimler und BMW anzeigen können. Daimler öffnet außerdem seine multimodale Mobilitäts-App "Moovel". (ung, 18.2.2019)