Ein Blick über die Grenze: im Vordergrund Bransons Bühne, im Hintergrund die der venezolanischen Regierung,

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Tausende warten auf das Konzert in Cúcuta.

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Auf der venezolanischen Seite der Grenze war am Donnerstag rege Bautätigkeit zu beobachten.

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"Spende, Verkauf verboten": Das Lagerhaus in Cúcuta.

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Fertignahrung und Kekse für Venezuela.

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Cúcuta/Caracas – Der britische Multimilliardär Richard Branson (Virgin Group) veranstaltet in Kolumbien ein Benefizkonzert für die notleidende Bevölkerung im benachbarten Venezuela. In der Grenzstadt Cúcuta treten Musiker wie der puertoricanische Sänger Luis Fonsi ("Despacito"), der Kolumbianer Juanes, Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel, die mexikanischen Rock-Dinosaurier Maná, der sowie venezolanische und kolumbianische Musiker auf.

Laut Veranstalterangaben besuchten 200.000 Personen das Konzert. Der in Spanien lebende venezolanische Sänger Carlos Baute sagte bei der Eröffnung: "Wir sind nicht nur hier, um einen humanitären Kanal zu eröffnen, sondern auch, weil wir morgen frei sein werden."

Livestream des Konzerts in Cúcuta.
Venezuela Aid Live

Auf der anderen Seite der Grenze veranstaltet Venezuelas Regierung ein viertägiges Konzert, an dem allerdings nur etwa 2.500 Personen teilnahmen. Auf einer am Donnerstag veröffentlichten Liste finden sich 44 Acts.

Ausschnitt des "Hands off Venezuela"-Konzerts.

Branson will mit dem Konzert trotz freien Eintritts Spenden sammeln. Die Musiker sollen keine Gage erhalten, angestrebt wird die Summe von 100 Millionen Dollar in 60 Tagen.

Der Oppositionsführer und selbsternannte Interimspräsident Juan Guaidó und dessen politischer Ziehvater Leopoldo López hätten ihn um die Organisation gebeten, um der Krise weltweit Aufmerksamkeit zu bringen und Geld für die notleidende Bevölkerung zu sammeln, sagte Branson. "Wir müssen diese Pattsituation durchbrechen."

Der Franzose Manu Chao dementierte, um seine Teilnahme gefragt worden zu sein, Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel nimmt entgegen erster Berichte über einen Auftritt per Satellit nicht teil.

"Hoffnung auf Bilder"

In einem Interview mit AP erklärte Branson, wenn die venezolanische Armee die Lieferungen stoppe, während Hunderttausende versuchten, die Grenze zu überqueren, wären diese Bilder "eine kraftvolle Nachricht".

Minister Rodríguez kündigte an, die von der Regierung organisierten Konzerte würden unter den Mottos "Para La Guerra Nada" ("Nichts für den Krieg") und "Hands off Venezuela" ("Hände weg von Venezuela") stattfinden. Außerdem sollen dort 20.000 Lebensmittelpakete verteilt werden.

Umstrittene Hilfslieferungen

Seit gut einer Woche stehen an der Grenze in Cúcuta zehn Laster mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Hygieneartikeln bereit. Staatschef Nicolas Maduro sieht die humanitäre Hilfe für einen Vorwand für eine militärische Intervention und will sie nicht ins Land lassen.

Auf einer Konferenz der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in Washington hatte die Opposition eigenen Angaben zufolge internationale Hilfszusagen in Höhe von über 100 Millionen US-Dollar (88,5 Millionen Euro) erhalten. Die Mittel sollen für Medikamente und Lebensmittel verwendet werden.

Angeblich hunderttausende Freiwillige

Oppositionsführer Guaidó hat angekündigt, die Hilfsgüter am Samstag mithilfe freiwilliger Helfer auf dem Land- und Seeweg nach Venezuela bringen zu wollen. Er gibt an, dass sich bereits 600.000 Helfer gemeldet hätten. Die US-Hilfsgüter sollen vorerst in Cúcuta, später auch im brasilianischen Bundesstaat Roraima und auf der niederländischen Insel Curaçao vor der Küste Venezuelas gelagert werden.

Guaidó gibt sich zuversichtlich: "Wenn die Lieferungen nicht am 23. ins Land kommen, werden sie am 24. oder am 25. kommen", erklärte er bei einer Pressekonferenz.

Der Gegner Präsident Maduros appelliert immer wieder an die Streitkräfte, die Grenzen zu öffnen und Hilfslieferungen durchzulassen. Soldaten, die Maduro den Befehl verweigern und bei der Wiederherstellung der demokratischen Ordnung mithelfen, hat das von der Opposition kontrollierte Parlament Straffreiheit zugesagt. (bed, 19.2.2019)