"Diese Art der Anerkennung bekommen Führer kleinerer Länder fast nie", analysiert die New York Times den Besuch von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei US-Präsident Trump.

Foto: Susan Walsh/AP

Washington – Die "New York Times" sieht eine "Seelenverwandtschaft" zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Seine Koalition mit der "extrem rechten" FPÖ alarmiere die europäische Linke, habe ihn aber "äußerst attraktiv für Herrn Trump und seine Berater" gemacht, schreibt die führende liberale US-Zeitung am Donnerstag über das Treffen der beiden im Weißen Haus.

Besondere Art der Anerkennung

"Am Mittwoch gewährte Trump Kurz ein Vieraugengespräch und ein Treffen in größerem Rahmen mit führenden Beratern – diese Art der Anerkennung bekommen Führer kleinerer Länder fast nie, ausgenommen der Premierminister Irlands rund um den St. Patrick's Day", heißt es in dem Artikel mit dem Titel "Trump kultiviert einen Seelenverwandten von einem Kontinent, den er sich oft zum Feind gemacht hat".

Angesichts des Schneefalls in Washington sei es durchaus passend für Trump gewesen, sich mit dem politischen Führer "eines pittoresken Alpenlandes beim Kamin aufzuwärmen. Aber Trumps Treffen im Oval Office mit Kanzler Sebastian Kurz hatte weniger mit Schlittenfahrten und heißer Schokolade zu tun als mit deren gemeinsamer Vorliebe für Nationalismus und einen entschlossenen Kampf gegen Immigration." Die Zeitung machte auch einen "großväterlichen Ton" bei Trump aus, als dieser Kurz' Aussage über das Tag für Tag kleiner werdende Problem des jugendlichen Alters mit der Bemerkung "Eines Tages wirst du das nicht mehr sagen" quittierte.

Migration laut ÖVP-Abgeordneten kein Thema

In dem Artikel kam auch der Nationalratsabgeordnete Martin Engelberg (ÖVP) zu Wort, der darauf hinwies, dass Trump und Kurz nicht über Migration gesprochen hätten. Engelberg, der der österreichischen Delegation im Weißen Haus angehörte, wies auch Vermutungen zurück, wonach Kurz für Trump ein Instrument sei, die EU zu spalten. Kurz sei nämlich ein überzeugter Europäer. Der von der Zeitung ebenfalls befragte SPÖ-Europaabgeordnete und frühere USA-Korrespondent des ORF, Eugen Freund, betonte, dass es ohne die Migrationskrise "keinen Sebastian Kurz gäbe", dieser sich aber in wichtigen Punkten von Trump unterscheide, etwa durch seine sorgfältige Wortwahl und das "Kultivieren" von Journalisten. "Er ähnelt eher Bill Clinton als Trump."

Kluft zu Deutschland und Frankreich größer

Mit Blick auf das mittlerweile zerrüttete Verhältnis Trumps zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron hieß es, dass Kurz nicht der erste europäische Jungpolitiker sei, mit dem Trump Freundschaft geschlossen habe. "Und Kurz ist auch nicht der einzige Nationalist, der die Aufmerksamkeit des Präsidenten bekommen hat", heißt es mit Blick auf "andere europäische Populisten" wie die Regierungschefs Viktor Orbán (Ungarn) und Giuseppe Conte (Italien). Auch der jüngste Nahostgipfel in Warschau sei eine "Belohnung" für die dortige Rechtsregierung gewesen. Nach Ansicht von Experten gibt es aber kaum Hinweise, dass diese Bemühungen den USA greifbare Ergebnisse gebracht hätten. Vielmehr sei die Kluft zu Verbündeten wie Deutschland und Frankreich vertieft worden. (APA, 21.2.2019)