Ein Vampirfledermaus auf nächtlichem Streifzug. Die Blutsauger beherbergen eine große Zahl an Krankheitserregern.

Foto: Reuters/brock fenton

Zürich – Fledermäuse in Südamerika tragen Influenzaviren, die womöglich auch dem Menschen gefährlich werden könnten. Forscher der Universität Zürich berichten, dass diese Viren zumindest in Laborversuchen Zellen von Menschen und Nutztieren infizieren konnten.

Dass manche Fledertiere Überträger hochgefä)hrlicher Viren sind, ist bekannt. Erst kürzlich wiesen Wissenschafter ein neues, Ebola-ähnliches Virus bei Flughunden in Westafrika nachgewiesen. In Fledermäusen können viele Viren überleben und sich vermehren, ohne ihren Wirten zu schaden – die Tiere sind ein "Reservoir" für die Erreger.

Infektionsweg entschlüsselt

Gleiches scheint für neuartige Influenzaviren zu gelten, die vor rund sechs Jahren in Fledermäusen in Südamerika entdeckt wurden. Bisher war jedoch unklar, ob diese Viren auch Menschen und Nutztiere infizieren könnten.

Um die Gefahr für den Menschen abschätzen zu können, haben Forscher um Silke Stertz von der Universität Zürich mit Kollegen der Universität Freiburg in Deutschland den Infektionsweg der Viren entschlüsselt. Wie sie im Fachblatt "Nature" berichten, nutzen diese Influenzaviren eine völlig andere Eintrittspforte in Zellen als die bisher bekannten Vertreter dieser Virusfamilie.

Die Fledermaus-Influenzaviren nutzen demnach sogenannte MHC-II-Moleküle für den Zelleintritt. Diese Protein-Komplexe kommen auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen vor und spielen eine wichtige Rolle für die Immunantwort. Sie werden allerdings auch von anderen Virusarten als Eintrittspforte missbraucht, wie die Forscher berichten.

Infektionen von Mensch und Nutztieren möglich

Im Labor konnten die Fledermaus-Influenzaviren die MHC-II-Komplexe von Menschen, Mäusen, Hühnern, Schweinen und verschiedenen Fledermausarten für den Zelleintritt nutzen, sagte Studienautor Umut Karakus. Zumindest auf der Stufe des Zelleintritts haben diese Viren demnach das Potenzial, Menschen und Nutztiere zu infizieren. In Versuchen mit Mäusen zeigte sich zudem, dass sich das Virus in den oberen Atemwegen der Tiere vermehren konnte.

Nachgewiesen wurden solche Infektionen bei Menschen und Nutztieren bisher noch nicht, betonte Studienleiterin Stertz. "Unsere Ergebnisse zeigen aber, dass die Viren diese Fähigkeit grundsätzlich haben." Mit ihrem Team will sie die Viren daher weiter untersuchen.

Influenzaviren kommen in verschiedenen Typen vor. Eine Übertragung von Tier zu Mensch ist sehr selten, aber gefürchtet: Vor einigen Jahren bereitete die Schweinegrippe Sorgen, weil ein ähnlicher Typ von Influenzavirus 1919 die Spanische Grippe mit Millionen von Toten ausgelöst hatte.

Die verschiedenen Typen von Influenzaviren werden daher intensiv erforscht. Auch wenn sie hauptsächlich in Tieren zirkulieren und eine Infektion des Menschen noch nicht oder nur selten nachgewiesen wurde, können die wandlungsfähigen Viren durch Mutation auch für den Menschen gefährlich werden. (red, APA, 21.2.2019)