Was macht eigentlich Pamela Rendi-Wagner, fragen sich derzeit so manche Journalisten. Im Boulevard beklagen Parteifreunde (natürlich anonym) bereits, dass sich die neue Chefin verstecke. Aber muss eine gute Oppositionsführerin tatsächlich jeden Tag eine neue Sau durchs Politikdorf treiben? Braucht es Omnipräsenz im Tagesgeschäft, um langfristig erfolgreich zu sein?

Die Antwort ist klar: nein. Rendi-Wagner muss nicht permanent zu jedem Thema ihren Senf dazugeben. Die Rolle des Reibebaums müssen andere in ihrer Partei übernehmen. Dafür gibt es einen Parteigeschäftsführer und Bereichssprecher. An der Chefin liegt es, das "sozial" im Parteinamen zu repräsentieren. In Ansätzen ist ihr das auch schon ganz gut gelungen. Die studierte Medizinerin hat sich zuletzt stark auf die ursozialdemokratischen Themen Pflege und Gesundheit konzentriert, aber das scheinen ihre herummäkelnden Genossen noch nicht realisiert zu haben.

Beim Wahlvolk kommt ihr bisheriger Kurs jedenfalls nicht so schlecht an. In den Umfragen liegt die SPÖ seit der Wahl mehr oder weniger konstant. Angesichts der nicht gerade professionell abgewickelten Übergabe von Christian Kern an sie ist das keine schlechte Ausgangssituation. Bis zur nächsten Wahl dauert es – aller Wahrscheinlichkeit nach – noch ein paar Jahre. Wenn man kurz davor noch immer deutlich hinter der ÖVP liegt, darf man nervös werden. Jetzt besteht noch kein Grund dazu. (Günther Oswald, 22.2.2019)