In der Notenbank werden noch eifrig Jobs vergeben.

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Etwas Unruhe herrscht gerade in der Nationalbank (OeNB), in der jahrzehntelang der rot-schwarze Proporz eine gewichtige Rolle spielte; jedenfalls bei der Besetzung wichtiger Posten. Nun dräut Türkis-Blau heran; offene Stellen werden noch vom jetzigen Direktorium unter Gouverneur Ewald Nowotny (SPÖ) und seinem Vize Andreas Ittner (ÖVP) besetzt. Künftig werden Robert Holzmann (FPÖ) und Gottfried Haber (ÖVP) die OeNB führen.

Die jüngsten Personalentscheidungen des Direktoriums sorgen für mehr Aufregung als gewohnt. Erwägt doch die unterlegene Bewerberin um den von der OeNB zu besetzenden Posten im Internationalen Währungsfonds (IWF), die Gleichbehandlungskommission anzurufen. Die Entscheidung, die Frau nicht nach Washington zu schicken, zeitigt gewöhnungsbedürftige Folgen: Die Abteilung Integrationsangelegenheiten und internationale Finanzorganisationen (Inta) wird künftig zwei Leiter haben. Einen, der die Abteilung führt, und jene als Abteilungsleiterin eingestufte Bankerin, die nach Washington wollte und nun ohne Portefeuille gestrandet ist.

Sporen in der Politik

Wie das kommt? Der Vertrag des derzeitigen OeNB-Mannes im IWF läuft aus; es hieß, der Mann wollte zurück. Der Job, über den Gouverneur und Vizegouverneur entscheiden, wurde ausgeschrieben. Die genannte Notenbankerin, die vorübergehend in den Kabinetten von Kanzler Werner Faymann und Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und lang in Brüssel gearbeitet hatte, soll beste Chancen für den IWF-Job gehabt haben – war sie doch bis vor kurzem OECD-Botschafterin in Paris. Dem Vernehmen nach habe man ihr in der OeNB den IWF-Posten mehr oder weniger zugesagt. Offiziell wird das bestritten. Jedenfalls: Sie bewarb sich für den IWF-Job.

Es soll so bleiben, wie es ist

Allerdings tat das dann auch der Amtsinhaber. Er hatte sich zuvor für den Inta-Vizechefposten beworben, war aber durchgefallen. Vizegouverneur Ittner sprach sich vehement für seinen Verbleib in den USA aus. Man müsse die Kontinuität wahren. Das Hearing (es traten nur die beiden an) gewann dann der Amtsinhaber, der seinen Auftritt per Skype absolvierte.

Die Ex-OECD-Botschafterin fühlt sich unter ihrem Wert geschlagen und überlegt, die Gleichbehandlungskommission anzurufen. Unterstützt wird sie vom Betriebsrat unter Robert Kocmich: "Das Direktorium hat keine nachvollziehbare Begründung für die intransparente Entscheidung gegeben." OeNB-Sprecher Christian Gutlederer dazu: "Als derzeitiger Amtsinhaber ist unser IWF-Vertreter am besten qualifiziert." Warum man dann ausgeschrieben hat? "Weil wir das tun müssen."

Zur neuen Vizechefin der Inta wurde nun übrigens eine enge Mitarbeiterin Nowotnys bestellt. (Renate Graber, 23.2.2019)