In einer ersten Blitzanalyse zum Spiel erklärt DER STANDARD, weshalb die Liga durch den Sieg von Rapid noch spannender wird
DER STANDARD

Marco Rose zählt zu den absolut Seriösen der Trainerzunft, der Deutsche kennt sich im Fußball aus, ist kein Dampfplauderer. Der Coach von Meister Red Bull Salzburg meinte vor dem Spiel gegen Rapid überhaupt nicht ironisch, dass beide Vereine "hohe Ansprüche haben". Was er natürlich nicht gesagt und nicht einmal gedacht hat: "Im Gegensatz zu Rapid erfüllen wir sie." Und so war es auch keine Verhöhnung, dass er am Sonntagnachmittag Munas Dabbur und Smail Prevljak auf die Bank gesetzt hat.

Die beiden führen die Schützenliste an (je neun) und haben in der laufenden Saison mehr Treffer als der gesamte Rapid-Kader erzielt. Aberwitzige könnten einwenden, dies sei wirklich keine Kunst. Roses Angebot ist größer als die Nachfrage, also stürmten Patson Daka, der beim 4:0 gegen Brügge zweimal netzte, und Takumi Minamino.

Der Schalter

Bisher hatte Rapid vergeblich versucht, im Alltag das "Europagesicht" zu zeigen, seit dem 0:4 bei Inter Mailand hat sich das erledigt, es wäre keine gute Idee gewesen, so dreinzuschauen. Also sprach Kapitän Stefan Schwab: "Wir müssen den Schalter umlegen. Am Papier spricht alles für Salzburg, darin liegt unsere Chance." In der Statistik lag sie nicht, Salzburg hatte die 13 vergangenen Duelle nicht verloren. Trainer Dietmar Kühbauer rochierte, im Vergleich zur Inter-Partie gab es fünf Veränderungen, Stephan Auer, Schwab, Philipp Schobesberger, Veton Berisha und Manuel Martic rückten in die Startformation.

Rapid begann vor 19.400 Zuschauern im Allianz Stadion durchaus ambitioniert, suchte und fand Zweikämpfe, lauerte auf Konter, die fern jeglicher Perfektion ausgeführt wurden. Bis zu Minute 22: Berisha scheitert an Goalie Cican Stankovic. Salzburg wurde einige Male halbgefährlich, hatte mehr Ballbesitz. Eine totale Dominanz war nicht auszumachen, eine spielerische Überlegenheit schon. Halbzeitstand 0:0, Teilerfolg für Rapid.

Der Vogel

In der 54. Minute wurden die Chancen der Gastgeber erhöht. Nach einer Rangelei zeigte der bereits verwarnte Andre Ramalho Schiedsrichter Robert Schörgenhofer den Vogel, worauf dieser den Salzburger mit der Gelb-Roten Karte bestrafte, ein Fall von ausgleichender Gerechtigkeit. Und Rapid nützte die Überzahl schamlos aus, legte den Schalter um. 65. Minute: Maßflanke von Boli Bolingoli, Berisha köpfelt das 1:0. 81. Minute: Schwabs präziser Schuss bedeutet das umjubelte 2:0.

Berisha sorgte für den ersten Treffer.
Foto: APA/Pfarrhofer

Rapid schöpft wieder Hoffnung, bleibt zwar Achter, der Rückstand auf Platz sechs (Austria!), der zur Teilnahme am Meisterplayoff berechtigt, beträgt nur mehr vier Zähler. Drei Runden stehen im Grunddurchgang aus. Für Salzburg war es auf nationaler Ebene die allererste Saisonniederlage. Schwab sagte: "Wir leben noch." (Text: Christian Hackl, Video: Martin Schauhuber, Andreas Müller, 24.2.2019)

Ergebnis:

SK Rapid Wien – Red Bull Salzburg 2:0 (0:0)
Wien, Allianz Stadion, 19.400, SR Schörgenhofer

Tore:
1:0 (65.) V. Berisha
2:0 (81.) Schwab

Rapid: Strebinger – Auer, Hofmann, Sonnleitner, Bolingoli – Martic (61. D. Ljubicic), Schwab – V. Berisha, Knasmüllner, Schobesberger (66. Ivan) – Pavlovic (85. Badji)

Salzburg: Stankovic – Lainer, Ramalho, Onguene, Ulmer – X. Schlager, Samassekou, Wolf, Mwepu (57. Vallci) – Daka (82. Prevljak), Minamino (77. Haaland)

Gelb-Rot: Ramalho (54./Foul, Schiedsrichterkritik)

Gelbe Karten: Hofmann, Martic, Auer, Schwab bzw. keine