Der Elektronik-Konzern LG hat eine originelle Antwort auf die faltbaren Smartphones einiger großen Rivalen gefunden: einen zweiten Bildschirm. Das zusätzliche Display sitzt in einer Art Klapphülle und damit im geöffneten Zustand direkt neben dem Bildschirm des Telefons.

Vergleiche

Konkurrenten wie Samsung und Huawei stellten dagegen Telefone vor, bei denen sich ein größeres Tablet-Display zusammenklappen lässt. Diese Innovation hat ihren Preis. Samsungs Galaxy Fold soll 2.000 Euro kosten und das Mate X von Huawei sogar rund 2.300 Euro. Die Lösung von LG dürfte um einiges günstiger sein. Bei der Ankündigung auf dem Mobile World Congress in Barcelona am Sonntag wurde ein Preis allerdings nicht genannt.

Das LG V50 wird über eine spezielle Hülle zum Dual-Screen-Telefon.
Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Den zweiten Bildschirm in der Hülle gibt es für das erste Smartphone der Südkoreaner, das den superschnellen 5G-Datenfunk unterstützt: Das Modell V50 ThinQ 5G. Dass die beiden Displays unabhängig von einander agieren können, bewirbt LG als Vorteil. So könne man sich zum Beispiel einen Film ansehen und gleichzeitig auf dem anderen Bildschirm etwas dazu im Internet nachschlagen. Auch könnten auf dem zweiten Display etwa die Steuerungs-Knöpfe für ein Videospiel eingeblendet werden. Da die Hülle vollständig aufklappen lässt, wäre es auch möglich einer Person beim Fotografieren direkt eine Vorschau zu zeigen.

Technische Umsetzung

Durchaus interessant ist auch die technische Implementation dieses Features: Der zweite Bildschirm wird nämlich mittels einer proprietären WLAN-Technologie von LG angesteuert. Diese ist speziell auf hohe Bandbreiten bei kurzen Entfernungen ausgelegt. Laut ersten Tests soll dies auch tadellos funktionieren, so dass keine Latenz bemerkbar sei. Strom holt sich das zweite Display hingegen direkt vom Smartphone, hierzu sind im Gehäuse Pogo PINs angebracht, die die nötigen Anschlüsse am Gerät vornehmen.

Natürlich gibt es das Gerät auch als ganz normales Smartphone ohne die Dual-Screen-Hülle.
Foto: ALBERT GEA / REUTERS

Abzuwarten bleibt, was das für die Akkulaufzeit bedeutet, zwei Displays saugen natürlich auch erheblich mehr Strom. Der Akku des LG V50 umfasst 4.000 mAh. Da klingt zunächst für ein Gerät dieser Kategorie ausreichend, aber auch in Kombination mit dem 5G-Support, der derzeit erheblich mehr Strom braucht als LTE-Modems, könnte dies zu einem Problempunkt werden.

Bei The Verge betont man zudem, dass die beiden Bildschirme in einem ersten Hands-On nicht die gleiche Farbtemperatur aufwiesen. Auch habe man so manche Probleme bei der Softwareintegration festgestellt. All dies könnte natürlich bis zum Marktstart noch korrigiert werden, den LG für Europa derzeit vage mit Frühsommer angibt.

Venenerkennung

Eine weitere Neuerung in dem Telefon ist das Entsperren per Venenerkennung in der Hand. Diese Methode wird oft zur Zugangskontrollen in Unternehmen eingesetzt und gilt als sicherer im Vergleich zu Fingerabdruck-Scannern. Allerdings wird sie bei LG auch anders umgesetzt, in dem man einfach die Hand über das Gerät bewegt. Insofern gilt es auch in Hinblick auf die Sicherheit noch auf erste Expertentests zu warten.

Der US-Mobilfunker Sprint will das V50 mit seinem 5G-Support als erstes ins Angebot aufnehmen.
Foto: Manu Fernandez / AP

Zu den weiteren Eckdaten des V50 gehört ein Snapdragon 855 Prozessor, der gemeinsam mit dem X50-Modem für 5G-Support über ein neues Kühlsystem auf Temperatur gehalten werden soll. Diesem zur Seite gestellt sind 8 GB RAM, der lokale Speicherplatz liegt bei 128 GB, kann aber via MicroSD-Karte erweitert werden.

Spezifikationen

Als Hauptbildschirm kommt ein 6,1 Zoll großer OLED (3.120 x 1.440 Pixel / 538 PPI) zum Einsatz, das Display in der Hülle weist hingegen "nur" eine Auflösung von 2.160 x 1.080 Pixel bei 6,2 Zoll Größe auf. Das Kamerasystem erinnert an viele andere aktuelle Smartphone, es gibt also auf der Rückseite drei davon mit 16 / 12 / 12 Megapixel, wovon eine als Ultraweiterwinkel und eine als Telefoto ausgelegt ist.

Smartphone samt Dual-Screen-Hülle sind übrigens auch nicht gerade leicht, die Kombination kommt auf 313 Gramm, wovon 183 auf das Smartphone selbst gehen. Informationen zum anvisierten Preis verrät LG derzeit noch nicht. (apo/APA, 25.2.2019)