Startet doch nicht für die Ukraine in Tel Aviv: Maruv. Sie will keine "Promo-Aktion" für ukrainische Politiker werden.

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Kiew/Wien – Nach heftiger Kritik an ihren Auftritten in Russland sagt Sängerin Maruv ihre Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC) für die Ukraine ab. "Ich bin Musikerin und kein Schläger in der politischen Arena", schrieb die 27-Jährige am Montagabend bei Facebook.

Die Sängerin hatte sich am Samstag gegen fünf Konkurrenten mit dem auf Englisch und Deutsch gesungenen "Siren Song" (Sirenenlied) durchgesetzt.

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Kritik gab es danach vom für Kultur zuständigen Vizeregierungschef Wjatscheslaw Kirilenko und verschiedenen Parlamentsabgeordneten. Sie hielten der Sängerin vergangene und geplante Auftritte im Nachbarland Russland vor. Sie wäre bei einer Teilnahme auch "kulturelle Botschafterin" der Ukraine und nicht nur ihrer eigenen Musik gewesen. Ein "Vertreter der Ukraine kann kein Künstler sein, der im Aggressor-Staat tourt und dies weiter zu machen plant und darin nichts Inakzeptables sieht", schrieb Kirilenko auf Twitter.

Maruv stammt aus der russisch geprägten Ostukraine und heißt mit bürgerlichem Namen Anna Korsun. International wurde sie 2017 mit dem Elektro-Pop-Song "Drunk Groove" bekannt, dessen Video bis heute knapp 90 Millionen Abrufe bei Youtube hat. Wer nun an ihrer Stelle zum ESC nach Israel fährt, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Fernsehanstalt "UA:Perschyj" hat sich noch bis Dienstag Zeit gegeben, den ukrainischen Teilnehmer für den europäischen Musik-Wettbewerb am 18. Mai zu benennen.

Keine "Promo-Aktion" für Politiker

Auf Facebook schrieb Maruv, sie haben am Montag sieben Stunden verhandelt. Um für die Ukraine in Tel Aviv auftreten zu dürfen, hätte sie einen Vertrag unterschreiben müssen. Sie sei bereit gewesen, auf Auftritte in Russland zu verzichten. "Ich bin eine Bürgerin der Ukraine, zahle Steuern und liebe die Ukraine aufrichtig. Doch bin ich nicht bereit, mit Losungen aufzutreten, die meine Anwesenheit beim Wettbewerb in eine Promo-Aktion unserer Politiker verwandeln."

Die Ukraine sieht sich im Krieg mit Russland, nachdem der Nachbar sich vor fünf Jahren zuerst die Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverleibt hatte und danach auch prorussische Separatisten in der Ostukraine unterstützte. Österreich wird beim Song Contest von der Wiener Elektropopsängerin Paenda in Tel Aviv vertreten. (APA, 26.2.2019)