Superfood im Test, heute: Spirulina.
DER STANDARD

Die Blaualge Spirulina scheint ein wahres Wundermittel zu sein – zumindest versprechen das Werbebotschaften von Herstellern und einschlägige Internetseiten. Sie soll bei Heuschnupfen, Diabetes und chronischen Schmerzen helfen. Zudem kann Spirulina angeblich Herzinfarkten, Krebs und dem Alterungsprozess vorbeugen und durch ihre antivirale Wirkung sogar HIV, Hepatitis C oder Herpes heilen.

Wir haben uns angesehen, was dran ist an den gewagten Behauptungen. Fest steht: In Spirulina sind gesunde Inhaltsstoffe. Die Alge enthält viel Protein, der Gehalt liegt bei rund 60 Prozent. Das klingt nach viel, allerdings müsste man eine große Menge zu sich nehmen, um den Tagesbedarf zu decken. Laut Angaben des Herstellers werden fünf Tabletten pro Tag empfohlen. Günstiger und umweltfreundlicher sind herkömmliche Lebensmittel, die Proteine enthalten – etwa Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Erdäpfel.

Vitamin mit Haken

Neben Eiweiß sind Kalzium, Eisen und Magnesium in Spirulina enthalten. Veganer setzen wegen ihres Gehalts an Vitamin B12 auf die Alge, dieses kommt ansonsten nur in tierischen Produkten vor. Es gibt allerdings einen Haken: Das Vitamin B12 ist inaktiv, kann also vom Körper nicht verwertet werden.

Wissenschaftliche Studien, die die positive Wirkung von Spirulina gegen Krankheiten belegen, gibt es nicht. Viele vorhandene Untersuchungen sind mangelhaft und daher nicht aussagekräftig. Ein weiter Nachteil: Die Ökobilanz von Spirulina ist schlecht, weil die meisten Spirulina-Produkte aus fernen Ländern zu uns importiert werden. Eine Ausnahme ist etwa ein Unternehmen in der Nähe von Bruck/Leitha, das die Alge in Österreich herstellt und dessen Produkte im Internet bestellt werden können.

Das Fazit der Redaktion: Bei abwechslungsreicher Ernährung ist das Nahrungsergänzungsmittel Spirulina überflüssig. (bere, 28.2.2019)