R. Kelly, wie er am Montag gemeinsam mit seinem Anwalt Steve Greenberg das Gefängnis in Chicago verlässt.

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Robert Sylvester Kelly, besser bekannt als R. Kelly, hat weltweit mehr als 75 Millionen Alben und Singles verkauft. Man kann ihn also getrost als große Nummer des Musikbusiness bezeichnen. Die große Karriere des heute 52-Jährigen beginnt Mitte der 1990er, als er etwa dem Basketballstar Michael Jordan die Hymne I Believe I Can Fly schreibt und singt. Ständiger Begleiter sind dabei aber immer auch schwere Vorwürfe: Er soll Minderjährige missbraucht haben.

Begonnen hat es im Jahr 1994 mit Kellys Ehe mit der Sängerin Aaliyah, damals 15 Jahre alt. In der Heiratsurkunde wird ihr Alter fälschlicherweise mit 18 Jahren angegeben, dies führt zur Annullierung der Ehe. Wenig später soll er eine Beziehung mit der 17-jährigen Lizzette Martinez geführt haben.

Freispruch im Jahr 2008

In den Jahren danach gibt es zahlreiche Gerichtsverfahren gegen den Musiker wegen sexueller Handlungen mit minderjährigen Mädchen. Während die meisten dieser Prozesse außergerichtlich beigelegt werden, endet ein Verfahren wegen Kinderpornografie 2008 mit einem Freispruch.

Danach bleibt es diesbezüglich lange ruhig um R. Kelly. 2017 holt ihn aber die Vergangenheit wieder ein. Einem Buzzfeed-Bericht zufolge soll er Frauen in Anwesen gefangen halten und dort zum Sex zwingen. Kelly dementiert und kündigt rechtliche Schritte an.

Die Vorwürfe werden Anfang dieses Jahres wieder laut. Grund ist die sechsteilige Dokumentation Surviving R. Kelly des US-Senders Lifetime, die zur besten Sendezeit am Abend ausgestrahlt wird. Darin werfen mehrere Frauen Kelly vor, sie sexuell oder emotional missbraucht zu haben, oft in jungen Jahren.

Ein Bonusvideo zur Doku Surviving R. Kelly.
Lifetime

Konzerte abgesagt

Es sind teils seit Jahrzehnten bekannte Vorwürfe, doch in Zeiten von #MeToo besitzen sie eine zusätzliche Brisanz. Zunächst einmal erklären die Behörden, die Vorwürfe zu prüfen. Dann entschuldigt sich etwa Lady Gaga, mit R. Kelly zusammengearbeitet zu haben. Mitte Jänner trennt sich das zu Sony Music gehörende Musiklabel RCA von dem Sänger. Außerdem erklären mehrere US-Radiosender, seine Lieder nicht mehr zu spielen. Schließlich werden Konzerte in Deutschland abgesagt.

Ende vergangener Woche dann wird R. Kelly wegen sexuellen Missbrauchs in zehn Fällen angeklagt. Die Fälle stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier teils minderjährige Opfer, wie die Chicagoer Staatsanwältin Kim Foxx am Freitag erklärt. Kelly stellt sich und bekennt sich vor Gericht nicht schuldig. Da er etwas überraschend die Kautionssumme von 100.000 US-Dollar nicht aufbringen kann, muss er drei Tage im Gefängnis verbringen, bis laut Chicago Tribune eine alte Bekannte das Geld hinterlegt und Kelly am Montag freikommt.

"Zu lange weggeschaut"

Am gleichen Tag meldet sich die bereits genannte Lizzette Martinez auf einer Pressekonferenz zu Wort, Kellys Freundin in den 1990ern. Sie erhebt schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Kelly: "Er macht seit 20 Jahren Jagd auf junge Frauen, er muss endlich gestoppt werden." Sänger John Legend, der auch in der Doku zu Wort kommt, kritisiert einen Tag später die Musikindustrie für ihr Schweigen. "Wir haben zu lange weggeschaut", sagt er in der NBC-Show Today.

Die nächste Gerichtsanhörung ist für 22. März angesetzt. (Kim Son Hoang, 27.2.2019)