Kritiker befürchten, dass Russland die Isolation seiner Bürger vom globalen Internet testet

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Russische Behörden planen, bis Anfang April einen spektakulären Test durchzuführen. Sie wollen Russland vom weltweiten Internet abtrennen und komplett auf das Intranet "Runet" umsteigen, das streng kontrolliert wird. Damit soll geübt werden, was im Fall eines Cyberangriffs passiert.

Russlands Regierung sieht das Intranet als ideale Verteidigungsstrategie, um trotz massiver Hackerangriffe die wichtigsten Kommunikationskanäle aufrecht zu erhalten. So funktionieren im Intranet weiterhin der Austausch via E-Mails oder das soziale Netzwerk VKontakte.

Keine sinnvolle Strategie

Allerdings bezweifeln Experten, dass ein "Aus-Knopf" für das Internet tatsächlich eine sinnvolle Verteidigungsstrategie ist. Oracle hat dieses Szenario analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass ein dezentralisiertes Netz weitaus robuster ist als ein abgeschlossenes System, das nur ein paar Angriffspunkte aufweist. Man könne "viel Schaden anrichten, indem man die Angriffe auf wenige Ziele konzentriert".

Unterdrückung

Deshalb steht die Befürchtung im Raum, dass der Test eigentlich zeigen soll, wie man die eigenen Bürger isolieren kann. Internet-Blackouts sind "besonders bei totalitären Regimen beliebt", wie Engadget analysiert. Man denke etwa an Iran, Nordkorea oder China. Russland kontrolliert das Internet immer stärker, seit es ab 2011 zu Protesten gegen Vladimir Putin gekommen ist.

Übung ist legal

Die Übung ist rechtlich legal: 2012 beschloss die International Telecommunications Union (ITU) auf Druck von Staaten wie Russland, China, Saudi-Arabien oder Ägypten eine Reihe von Änderungen, die einen Blackout erlauben. Wann genau Russland seine Übung beginnt ist noch nicht bekannt. (red, 1.3.2019)