Ottawa – Nach einer Kontroverse um mutmaßlich unterdrückte Ermittlungen gegen das Ingenieur- und Bauunternehmen SNC-Lavalin in Kanada ordnet Premierminister Justin Trudeau Teile seines Kabinetts neu. Hintergrund sind Vorwürfe, dass Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin Jody Wilson-Raybould gegen das Unternehmen wegen Korruption und Schmiergeldzahlungen unterdrückt wurden.

Trudeau hat jegliches Fehlverhalten in der Affäre abgestritten. SNC-Lavalin mit Sitz in Montreal wird vorgeworfen, zwischen 2001 und 2011 Schmiergelder in Höhe von umgerechnet 31 Millionen Euro an die Familie des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi gezahlt zu haben. Im Fall eines Schuldspruchs dürfte der Ingenieurs- und Bauriese mit weltweit 50.000 Mitarbeitern über zehn Jahre bei keinen öffentlichen Projekten etwa in den Bereichen Bergbau, Transport und Infrastruktur mehr mitbieten.

Versuch Ermittlungen zu stoppen

Die "Globe and Mail" hatte vergangenen Monat berichtet, dass Trudeau die Ermittlungen von Ministerin Wilson-Raybould auf Druck der Firma stoppen wollte. Fast ein Dutzend Regierungsvertreter hätten sie monatelang zu dem Schritt gedrängt, sagte die Ex-Ministerin am Mittwoch in einem Parlamentsausschuss. Wilson-Raybould war im Jänner erst auf den Posten der Veteranenministerin verschoben worden und trat dann zurück.

Trudeau ernannte am Freitag Lawrence MacAulay zum neuen Veteranenminister. MacAulays Posten als Landwirtschaftsminister nahm Entwicklungsministerin Marie-Claude Bibeau ein. Deren Aufgabenfeld wanderte über zu Frauen- und Gleichstellungsministerin Maryam Monsef. (APA, 1.3.2019)