Rauchwolken über Baghouz.

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Bei Luftangriffen wurde ein Munitionsdepot getroffen.

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Am Samstag erreichte eine Gruppe Jesiden, die von IS-Kämpfern nach Syrien entführt worden waren, die irakische Grenze.

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Deir al-So – Kämpfer der kurdisch-arabischen Allianz haben am Sonntag ihre entscheidende Offensive gegen die letzte Bastion der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Ostsyrien fortgesetzt. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) wurden bei ihrem Vorstoß auf das Dorf Baghouz in der Provinz Deir ez-Zor an der irakischen Grenze von Kampfflugzeugen der US-Luftwaffe unterstützt.

An einer anderen Front tötete eine Jihadistenmiliz mit Verbindungen zu Al-Kaida mehr als 20 Kämpfer regierungstreuer Einheiten. In etwa 400 Meter Entfernung von der Frontlinie in Baghouz hörte ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag unaufhörlich Artilleriefeuer, Schüsse und das Rattern von Maschinengewehren. Nach den Bombardements stiegen schwarze und graue Wolken über den angegriffenen Häuserzeilen in der Nähe eines Zeltlagers am Euphrat-Fluss auf.

Munitionsdepot getroffen

Ein Luftangriff brachte ein unterirdisches Munitionsdepot zur Explosion. Ein großer Teil des Zeltlagers wurde zerstört. Von einem Dach aus erklärte ein SDF-Kommandant, dass sich möglicherweise noch Jihadisten in unterirdischen Tunneln aufhielten. Die IS-Kämpfer hätten Häuser und Straßen vermint. Außerdem setzten sie Selbstmordattentäter ein, darunter auch Frauen, sowie mit Sprengstoff präparierte Autos, Mopeds und Fahrräder.

Angehörige französischer Jihadisten versichern, dass sich im letzten IS-Rückzugsort noch Frauen und Kinder befinden. In den vergangenen Tagen wurden nach SDF-Angaben rund 5.000 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – aus der Region Baghouz herausgeholt. Dort haben sich die verbliebenen IS-Kämpfer auf einer Fläche von weniger als einem Quadratkilometer verschanzt. Unter den Evakuierten waren auch zahlreiche Frauen und Kinder von IS-Kämpfern.

Lange Kämpfe befürchtet

Die SDF rechnen nach Angaben ihres Sprechers Adnan Afrin damit, dass es bis zu einem vollständigen Sieg über die Jihadisten in Baghouz je nach Entwicklung ein bis drei Wochen dauern könnte. Die von der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützten SDF-Truppen, deren Rückgrat die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) bilden, belagerten Baghouz seit Monaten.

Von ihrem "Kalifat", das die Jihadistenmiliz im Sommer 2014 in Teilen des Iraks und Syriens ausgerufen hatte, ist fast nichts mehr übrig geblieben. In den vergangenen zwei Jahren befanden sich die IS-Kämpfer angesichts verschiedener Offensiven ständig auf dem Rückzug.

Spuren der grausamen Gewaltherrschaft des Islamischen Staats tauchten wiederholt auf, auch in solchen Gegenden, wo die Jihadisten vor langer Zeit militärisch besiegt wurden. Die SDF gaben diese Woche die Entdeckung eines weiteren Massengrabs von IS-Opfern bekannt – diesmal in der Nähe von Baghouz. Dort seien auch abgetrennte Köpfe von Frauen gefunden worden, hieß es. Vieles spricht dafür, dass sie wegen ihrer Zugehörigkeit zur religiösen Minderheit der Yeziden ermordet wurden.

Nahe der Provinz Idlib töteten mit Al-Kaida verbündete Jihadisten nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 23 Kämpfer syrischer Regierungstruppen und verbündeter Milizen. Bei den Gefechten im Dorf Masasna im Norden der Nachbarprovinz Hama wurden demnach außerdem fünf Jihadisten getötet. Die Gruppe Ansar al-Tauhid habe die Regierungstruppen im Morgengrauen angegriffen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten vor Ort. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu kündigte unterdessen die Einrichtung eines Teams zusammen mit Russland an, das den Abzug ausländischer Truppen aus Syrien prüfen soll. Darauf habe er sich mit Präsident Wladimir Putin bei seinem Treffen mit ihm am Mittwoch in Moskau geeinigt. Israel werde nicht erlauben, dass sich der Iran in Syrien militärisch festsetze, sagte Netanyahu bei einer Sitzung seines Kabinetts. Russland, der Iran und die libanesische Hisbollah unterstützen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad.(APA, AFP, 3.3.2019)

Anmerkung: Dieser Artikel wurde aktualisiert