Diakoniechefin Maria Moser, Handelsverbandboss Rainer Will. Moderation: András Szigetvari.
DER STANDARD

In der evangelischen Kirche brodelt es: Das ist bei der Livediskussion im STANDARD-Studio rund um die Neuregelung des Karfreitags deutlich geworden.

Die evangelische Pfarrerin und Diakoniechefin Maria Moser übte heftige Kritik an der türkis-blauen Regelung.

Der Karfreitag als Feiertag fällt. Moser sprach deshalb von einem Geschenk an Unternehmen. "Die Lösung will uns sagen: Was ist die wichtigste, die dominante Religion in Österreich? Der Konsum", so Moser. Es sei besonders schmerzhaft, dass ein so wichtiger Feiertag wie der Karfreitag geopfert werde, damit der Handel weiter ungestört offen halten darf.

Und sie attackierte auch Rainer Will, den Chef der Handelsverbandes: Die Regierung setze genau das um, was sich der Handel gewünscht habe, den Nachteil tragen die Evangelischen und Altkatholiken, weil sie einen Feiertag verlieren.

Amazon lauert

Will hielt dagegen: Die Handelsunternehmen in Österreich können sich einfach keinen zusätzlichen Feiertag leisten, sagte Will. Auf die Nachfrage, dass der Handel ja insgesamt wenig exportiert und gar nicht im internationalen Wettbewerb steht, verwies Will auf den zusätzlichen Wettbewerbsdruck durch Amazon und Co. Weiters hielt er fest: Sowohl die Bundesregierung als auch der Handel waren mit der ursprünglichen Regelung zufrieden, erst die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs habe eine Neuregelung erforderliche gemacht.

Und: Will äußerte sich besorgt darüber, dass Arbeitnehmern durch das neue Gesetz Druck auf Unternehmen auszuüben könnten. Künftig können Arbeitnehmer einen Tag zu ihrem persönlichen Feiertag erklären. Tun sie das, haben Sie einen Rechtsanspruch darauf, an diesem Tag freizubekommen. Bittet sie der Arbeitgeber an diesem Tag, dennoch zu arbeiten, gebühren dafür Zuschläge. Will sieht die Aufrufe diverser Akteure, alle Arbeitnehmer sollten jetzt den selben Tag zum persönlichen Feiertag erklären, damit sie möglichst vielen Arbeitgebern schaden, als kontraproduktiv.

Was der österreichischen Wirtschaft helfen würde, wäre eine Senkung der Lohnnebenkosten, so Will. (red, 4.3.2019)