Levi's wagt sich auf das Börsenparkett. Auch Lee und Wrangler wollen Anleger einkleiden.

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Wien – Der Kult-Jeanshersteller Levi's wagt sich auf das Börsenparkett. Bereits im März soll das Going-public gelingen. Zwischen 600 und 800 Millionen Dollar will Levi's von Investoren einsammeln, mehr als fünf Milliarden Dollar soll der Jeanshersteller laut US-Medien wert sein. Mit dem frischen Kapital will Levi's seine Expansion vorantreiben, die Präsenz in den Emerging Markets – allen voran in China, Indien und Brasilien – ausbauen.

Für das 1853 gegründete Unternehmen ist das bereits der zweite Börsengang. Von 1971 bis 1985 war die in San Francisco ansässige Jeansikone schon einmal notiert. Dann wurde das Unternehmen wieder in die Hände von Privatiers übergeben. Derzeit ist Levi's im Eigentum von Nachfahren des Firmengründers Levi Strauss, der von Bayern aus erst nach New York auswanderte und 1853 nach Kalifornien weiterzog. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Jacob Davis gilt Strauss als Erfinder der Jeans. Die Hoffnung, dass die Aktien – ebenso wie die Stoffhosen – Kultstatus erreichen, hegen wohl viele Anleger.

Denim im Aufwind

Ihre Hoffnung wird von einer aktuellen Marktstudie getragen. Laut dem US-Marktforschungsinstitut NPD-Group haben Denim-Verkäufe (plus fünf Prozent) jene der gesamten Bekleidungsindustrie (plus ein Prozent) weit übertroffen. "Der Trend der vergangenen Jahre – Stichwort Athleisure oder Yogahosen – hat dem Denim-Markt geschadet. Gibt es jetzt tatsächlich ein Denim-Comeback, wäre das ein gutes Umfeld für Levi's", sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin vom Private Banking der Unicredit Bank Austria.

Doch Levi's wird nicht die einzige Aktie für Investoren sein, die heuer im Frühjahr Jeans anprobieren wollen. Die VF-Group – sie besitzt die rivalisierenden Denim-Marken Lee und Wrangler – kündigte vergangenen August an, sie werde ihre Jeansmarken in die separate Aktiengesellschaft Kontoor Brands ausgliedern. Die letzten Schritte beim Spin-off und der Gang an die Börse wurden zuletzt ebenfalls für März angekündigt.

Auf und Ab

Ein leichtes Umfeld ist die Börse für Modehersteller jedoch nicht. So geht es für die Aktie der schwedischen Modekette H&M seit 2015 tendenziell talwärts. Jahrelang war H&M ein Star am Fast-Fashion-Himmel. Im vergangenen Jahr berichtete das Unternehmen dann davon, auf Lagerbeständen im Wert von rund 3,5 Milliarden Euro zu sitzen. Umsatz und Gewinn bleiben seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Inditex, die Mutter von Zara, hingegen kann sich auf dem Parkett besser behaupten und zieht nach Korrekturen immer wieder nach oben.

Ein leichtes Umfeld ist die Börse für Modeaktien nicht. Während sich Labels wie Louis Vuitton halten, kämpft H&M auch auf dem Parkett um gute Performance.
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Dass eine beliebte Modemarke auch an der Börse für gute Performance sorg, ist keineswegs gesichert. Hier spielt auch der Zeitpunkt immer eine wichtige Rolle. "Bis es ein Modeunternehmen an die Börse schafft, kann der erste Hype um die Marke bereits wieder vorbei sein", erklärt Analystin Rosen-Philipp. Ein Beispiel dafür ist Tommy Hilfiger. Lange wurde über die Börsenpläne des Modeunternehmens gesprochen, als dieser dann gekommen ist, gab es viele enttäuschte Anleger. Nicht an die Börse geschafft hat es beispielsweise Donna Karan.

Ein Positivbeispiel hingegen ist das New Yorker Modeunternehmen Ralph Lauren. Seit 1997 notiert es an der Börse und hat sich nach Tiefs immer wieder erfangen. Aktuell steht der Kurs mit rund 127 Dollar etwa 100 Dollar über dem einstigen Ausgabekurs. Auch Schuhhersteller Crocs hat es – mit Zwischentiefs – geschafft, den Kurs seiner Anteilsscheine hoch zu halten.

Wenige erwirtschaften das meiste

"Modeaktien haben eine hohe Zyklizität", erklärt Rosen-Philipp. Das Wohl dieser Papiere ist stark mit der Kauflaune der Konsumenten verknüpft, und diese wiederum hängt davon ab, ob es der Konjunktur gutgeht oder Leute lieber sparen. "Fashion-Titel hängen immer auch am Zeitgeist", sagt Rosen-Philipp. Ändert sich der Modegeschmack, gilt ein Look oder Label als "out", beeinflusst das auch die Performance an der Börse, weil Umsätze und Gewinne sinken.

Die Modewelt ist auch abseits der Börse ein hartes Pflaster. Eine Studie von McKinsey zeigt, dass die 20 Top-Modefirmen 97 Prozent der Profite einsammeln. Gefragt sind Luxuswaren und Billigklamotten. Die Luft dazwischen ist sehr dünn geworden. (Bettina Pfluger, 5.3.2019)