Müller, verärgert.

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München – Einen Tag nach seiner Ausbootung aus der deutschen Nationalmannschaft hat sich Thomas Müller mit harter Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) und an Bundestrainer Joachim Löw an die Öffentlichkeit gewandt. "Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, einfach sauer. Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung", sagte der Angreifer von Bayern München in einem Video, das er über seine Social-Media-Kanäle verbreitete.

"Ich war von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers perplex", erklärte der 29-Jährige. "Ein Bundestrainer muss sportliche Entscheidungen treffen. Das stelle ich nicht infrage. Aber Mats, Jerome und ich sind immer noch in der Lage, auf Topniveau Fußball zu spielen. Wir haben gemeinsam mit dem DFB einen langen, intensiven und meist auch erfolgreichen Weg bestritten in den letzten Jahren."

Botschaft aus Müllers Büro.

Nicht zuletzt die Art und Weise der Bekanntmachung stieß dem 100-fachen Nationalspieler sauer auf: "Wenn – kurz nachdem wir von der Entscheidung des Bundestrainers erfahren haben – vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, ist das aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung nichts zu tun."

An die Fans erklärte Müller: "Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen. Ich habe immer alles gegeben. Es war eine unglaubliche Reise. Ich bin ein Kämpfer und werde nach vorne schauen. Das Spiel ist noch nicht aus."

Auch Bayern meldet sich

Zuvor hatten auch die Bayern Löw für den Zeitpunkt der Ausmusterung kritisiert. Man sei "irritiert", hieß es in der von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic unterzeichneten Erklärung am Mittwoch. Sportliche Entscheidungen kommentiere man eigentlich nicht. "Allerdings halten wir den Zeitpunkt und die Umstände der Bekanntgabe dieser Entscheidung an die Spieler und an die Öffentlichkeit für fragwürdig."

Rummenigge und Salihamidzic wunderten sich, dass Löw seine Entscheidung nicht früher kundgetan hatte: "Das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft fand am 19. November 2018 statt. Dass die Spieler und die Öffentlichkeit rund dreieinhalb Monate später unmittelbar vor richtungsweisenden Spielen des FC Bayern am kommenden Samstag im Titelkampf der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg und wenige Tage vor dem entscheidenden Rückspiel im Achtelfinale der Champions League am kommenden Mittwoch gegen den FC Liverpool informiert wurden, irritiert uns."

Löw hatte am Dienstag die drei Ex-Weltmeister Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng in einem persönlichen Gespräch in München darüber unterrichtet, dass er künftig nicht mehr mit ihnen plane. Laut FC Bayern war Löws Besuch an der Säbener Straße nicht angekündigt. (sid, APA, 6.3.2019)

Müllers Erklärung im Wortlaut:

"Hey Leute, ich habe jetzt mal eine Nacht drüber geschlafen, um die Ereignisse auch sacken zu lassen. Ich war natürlich von der plötzlichen Entscheidung des Bundestrainers perplex gestern. Ein Bundestrainer muss sportliche Entscheidungen treffen, absolut, das stelle ich auch überhaupt nicht infrage. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht mich die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, einfach sauer.

Kein Verständnis habe ich vor allem für diese suggerierte Endgültigkeit der Entscheidung. Mats (Hummels, Anm.), Jerome (Boateng, Anm.) und ich sind immer noch in der Lage, auf Topniveau Fußball zu spielen. Wir haben gemeinsam mit dem DFB einen langen, intensiven und meist auch erfolgreichen Weg bestritten in den letzten Jahren. Und wenn – kurz nachdem wir von der Entscheidung vom Bundestrainer erfahren, – vorgefertigte Statements seitens des DFB und des DFB-Präsidenten an die Presse rausgegeben werden, dann ist das einfach aus meiner Sicht kein guter Stil und hat mit Wertschätzung dann auch nichts zu tun.

Und jetzt zu Euch, liebe Fans: Ich war immer stolz, das DFB-Trikot zu tragen. Ich habe immer alles gegeben. Ich möchte mich bei Euch für die riesige Unterstützung bedanken. Es war eine unglaubliche Reise mit meinen 100 Länderspielen und vielen tollen gemeinsamen Erlebnissen. Wer mich kennt, der weiß, ich bin ein Kämpfer. Ich werde nach vorne schauen. Wir haben jetzt mit dem FC Bayern eine ganz heiße Saisonphase in der wir noch um alle drei Titel mitspielen. Und in diesem Sinne möchte ich Euch sagen: Das Spiel ist noch nicht aus."