Mario Draghi hat dieser Tage nicht nur zu Lachen.

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Frankfurt – Angesichts eines deutlichen Abschwungs der Wirtschaft und rückläufiger Inflationsraten setzt die Europäische Zentralbank neue Maßnahmen, um eine Krise zu bekämpfen. So wird es neue Geldspritzen für Banken geben. Die EZB legt eine neue Runde sogenannter Targeted Longer-Term Refinancing Operation (TLTRO) auf. Die Zentralbank versucht damit, das schwache Kreditwachstum in einigen Euroländern anzukurbeln.

Konkret vergibt die EZB Kredite mit einer Laufzeit von maximal zwei Jahren an Geschäftsbanken. Die Kreditvergabe ist aus Sicht der Banken besonders günstig, dies ist aber an Bedingungen geknüpft: So müssen die Geschäftsbanken eifrig Kredite an die Privatwirtschaft vergeben. Von den bisherigen TLTROs haben vor allem italienische Banken profitiert, die günstig an Finanzmittel gekommen sind.

Zinswende frühestens 2020

Und: Die EZB hat die für heuer angepeilte Zinswende abgeblasen. Die Zinsen bleiben also bis 2020 bei null. Die Sparer müssen sich somit auf eine anhaltende Ebbe einstellen. Der deutsche Wirtschaftsforscher Marcel Fratzscher meint, dass eine Zinswende frühestens Ende 2020 anstehe.

Die EZB will mit den Maßnahmen dem deutlichen Abschwung Rechnung tragen. Sie hat ihre Wachstumspro gnosen für die Eurozone auf 1,1 Prozent gesenkt. Noch im Dezember wurde mit plus 1,7 Prozent gerechnet. Für 2020 prognostizieren die EZB-Ökonomen nun 1,6 statt bisher 1,7 Prozent.

Die Volkswirte kappten zudem für das laufende Jahr ihre Inflationsprognose auf 1,2 (bisher: 1,6) Prozent. Für 2020 erwarten sie nun eine Teuerung von 1,5 (1,7) Prozent. Die Währungshüter peilen mittelfristig eine Inflation von knapp unter zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an.

Banken sackten ab

An den Finanzmärkten hat die EZB nur kurzfristig für Erleichterung gesorgt, dann traten die Sorgen um das weltweite Wirtschaftswachstum in den Vordergrund. Bereits zur Wochenmitte hatten verhaltene Aussagen der US-Notenbank Fed zur US-Wirtschaft auf die Kurse gedrückt. Besonders Finanztitel standen an den Aktienmärkten auf der Verkaufsliste. Deutsche Banken sackten um mehr als vier Prozent ab. In Wien gaben Erste Group und Raiffeisenbank International ebenfalls nach.

Der Euro verbilligte sich zeitweise um 0,3 Prozent auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,1266 Dollar. Die Rendite der zehnjährigen Italien-Bonds sank unterdessen zeitweise auf 2,52 Prozent – der tiefste Stand seit Juli 2018.

Von Volkswirten kam viel Kritik an der Entscheidung der EZB. "Der Zeitpunkt – nicht der Inhalt – der Ankündigung kommt doch überraschend und hat etwas von Panik", kommentierte Carsten Brzeski, Chefökonom von ING-Deutschland. Für Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe verschiebt sich die Zinswende auf den St. Nimmerleinstag (Reuters, 8.3.2019)