Die Erde ist mehrere Meter tief aufgerissen, einige Trümmerteile sind zu sehen, von denen Tewolde Gebremariam, der Chef der äthiopischen Luftlinie Ethiopian Airlines, eines in seinen Händen hält. Es ist eines der wenigen Fotos, das zunächst von der abgestürzten Boeing 737 MAX 8 freigegeben wurde. Ein Bild der größeren Trümmer hat die Fluglinie der Öffentlichkeit nicht zugemutet. Es ist das schwarz verbrannte Grab von 149 Passagieren und acht Crewmitgliedern, von denen keiner den Absturz überlebt hat.

Das Foto wurde auf einem trockenen Feld wenige Kilometer außerhalb der äthiopischen Kleinstadt Bischoftu aufgenommen, in dem Flug Nummer ET 302 mit Ziel Nairobi am Sonntagmorgen endete – nur sieben Minuten nach dem Start vom Bole-Flughafen in der Hauptstadt Addis Abeba. "Die Flammen waren so heiß, dass wir nicht einmal nahe kommen konnten", sagt Bekele Gutema, der den Absturz sah, der BBC. Erst mehr als zwei Stunden später seien die ersten Feuerwehren eingetroffen.

Tewolde Gebremariam, CEO von Ethiopian Airlines, hält ein Wrackteil der abgestürzten Maschine in seinen Händen. Die Airline galt bislang als sicher.
Foto: AP

Passagiere aus 33 Nationen, vier aus Österreich

Ethiopian Airlines ist nicht nur die größte Fluggesellschaft Afrikas, sondern galt bislang auch als beste des Kontinents. Sie gab bekannt, dass die 149 Passagiere aus 33 Nationen kamen. Darunter befanden sich auch drei Ärzte aus Oberösterreich. Laut Außenministerium waren die an Linzer Spitälern tätigen Fachärzte zwischen 30 und 40 Jahre alt. Sie wollten aus beruflichen Gründen nach Sansibar reisen. "Die Familien wurden bereits verständigt", sagte Biniam Addisu, der Country Manager von Ethiopian Airlines Austria.

Laut Angaben des evangelischen Bischofs Michael Bünker am Montagmorgen im Radio war ein weiterer Passagier aus Österreich an Bord des Passagierflugzeugs. Demnach handelte es sich um einen in Villach tätigen Pfarrer, der ursprünglich aus Deutschland stamme.

Zu Wort gemeldet hat sich auch Bundespräsident Alexander Van Der Bellen. "Die Nachricht vom Flugzeugabsturz in Äthiopien ist bestürzend. Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme ist bei den Angehörigen der Opfer", kondolierte das Staatsoberhaupt über den Kurznachrichtendienst Twitter:

"Sehr traurige Nachrichten erreichen uns aus Äthiopien. Mein aufrichtiges Beileid und mein tiefes Mitgefühl für diesen schweren Verlust gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Das Wichtigste ist jetzt, die Familien und Hinterbliebenen in diesen schweren Stunden zu unterstützen. Ich bin dazu bereits in Kontakt mit der Außenministerin", hielt der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) fest. Sein Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) reagierte ebenfalls betroffen: "Die Anteilnahme in diesen schweren Stunden gilt den Angehörigen, Freunden und Kollegen."

Auch Uno-Mitarbeiter gestorben

Bei dem Absturz sind nach Angaben von Uno-Generalsekretär António Guterres auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben gekommen. Genaue Zahlen oder Details nannte Guterres in einer Mitteilung am Sonntag allerdings nicht. Die Vereinten Nationen stünden in Kontakt mit den äthiopischen Behörden, um Details herauszubekommen. Am Montag beginnt in Nairobi eine Uno-Umweltkonferenz, bei der Staats- und Regierungschefs, Umweltminister und Experten aus aller Welt erwartet werden.

Das US-Außenministerium in Washington bestätigte, dass unter den Opfern auch US-Amerikaner sind, nannte aber keine Zahl. Auch die deutsche Regierung meinte: "Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Flugzeugabsturzes in Äthiopien sind."

An Bord des Fliegers starb auch Siziliens Regionalminister für Kultur, Sebastiano Tusa, wie der Präsident der Region Sizilien, Nello Musumeci, auf Facebook mitteilte. Der 66-jährige Archäologe war auf dem Weg nach Kenia, um dort an einem Unesco-Projekt teilzunehmen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Parallelen zu anderem Crash

Der erfahrene Pilot hatte kurz nach dem Start "Probleme" gemeldet und um Erlaubnis zur Rückkehr nach Addis Abeba gebeten hatte. Dafür bekam er grünes Licht. Dann riss der Kontakt ab. Einzelheiten über die Ursache des Absturzes sind bislang nicht bekannt, doch ein Verdacht drängt sich bereits auf. Die nagelneue Boeing 737 MAX 8 – sie hatte im vergangenen Oktober ihren Jungfernflug absolviert – ist das gleiche Modell wie die Maschine der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air, die vor fünf Monaten ebenfalls kurz nach dem Start abgestürzt war. Auch dabei kamen alle 189 Passagiere ums Leben.

Schon damals war der Verdacht geäußert worden, der Absturz könnte mit einem fehlerhaften Sensor im Zusammenhang stehen. Dieser informiert das Kontrollsystem über einen Ausfall der Düsen, worauf die Maschine automatisch mit einem abrupten Sinkflug reagiert. Die Fehlermeldung des Kontrollsystems könne vom Piloten technisch nicht übergangen werden, klagten US-Flugzeugkapitäne schon nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine.

Eine Aufnahme der Unglücksstelle.
Foto: Reuters/TIKSA NEGERI

"Das Kontrollsystem sollte dazu da sein, uns im Cockpit zu entlasten und das Flugzeug sicherer zu machen", sagte Jon Weaks, Präsident der Pilotenvereinigung der Southwest Airlines, bereits im November, "der Pilot muss jedoch immer die letzte Kontrolle behalten".

Die chinesische Luftfahrtbehörde ordnete am Montag an, dass chinesische Fluggesellschaften Maschinen des gleichen Typs vorerst nicht einsetzen dürfen. Boeing hat die für Mittwoch geplante Vorstellung seines Ultralangstreckenfliegers 777x verschoben.

"Vertikale Geschwindigkeit instabil"

Ob Boeing die Käufer ihrer Maschine über den Verdacht informiert hat und welche Konsequenzen die US-Firma aus dem Vorfall zog, ist bislang nicht bekannt. Unterdessen wurde bekannt, dass der Verdacht auch von den Beobachtungen der schwedischen Flugkontroll-Webseite flightradar24 erhärtet wird. Ihre Daten hätten gezeigt, dass die "vertikale Geschwindigkeit" der Maschine kurz nach dem Start "instabil" gewesen sei, erklärten die privaten Flugbeobachter auf Twitter. Wenig später brachen die Radaraufnahmen von dem Flugzeug ab.

Die Unglücksstelle 62 Kilometer südlich von Addis Abeba.
Foto: APA

In Nairobi sahen sich Angehörige der Passagiere des Unglücksflugs einer fortgesetzten Tortur ausgesetzt. Auf dem Jomo-Kenyatta-Flughafen wurde zunächst nur eine dreistündige Verspätung angekündigt, dann wechselte die Anzeigentafel auf "annulliert". "Wir haben weder von der Fluggesellschaft noch vom Flughafenpersonal etwas gehört", sagte Robert Mutanda drei Stunden nach der eigentlichen Ankunftszeit von ET 302 gegenüber Reuters. Er wollte seinen Schwager abholen.

Wendy Otieno wartete dagegen auf ihre Mutter: "Ich hoffe noch, dass sie einen anderen Flug genommen hat. Aber sie hebt ihr Telefon nicht ab." (red, Johannes Dieterich, 10.3.2019)