Das Ringen um den Brexit geht weiter – wie auch die Kundgebungen vor dem britischen Parlament in London.

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Das quälende Warten geht weiter. Theresa May legte dem Unterhaus das EU-Austrittspaket am Dienstag zum zweiten Mal vor, und erneut lehnten es die Abgeordneten mehrheitlich ab, darunter eine große Anzahl Konservativer sowie die unionistischen Hardliner aus Nordirland.

ORF

Dass die siebentgrößte Volkswirtschaft der Welt dem "No Deal"-Brexit entgegenschlittert, liegt in erster Linie an der Verantwortungslosigkeit dieser Fanatiker. Sie haben vergessen, dass das Brexit-Votum mit 52 zu 48 Prozent knapp ausfiel. Sie scheinen unfähig zum Kompromiss, der den bitter nötigen Versöhnungsprozess in dem tiefgespaltenen Land einleiten könnte.

Alberne Phrasen statt Strategie

Freilich sind sie in dieser Haltung viel zu lang bestärkt worden von der schwachen Premierministerin. Statt mit albernen Phrasen ("Brexit bedeutet Brexit") um sich zu werfen, hätte May diese weitestreichende Kursänderung des Landes seit Ende des Zweiten Weltkriegs von Anfang an durch überparteiliche Konsultationen absichern müssen.

Mag Oppositionsführer Jeremy Corbyn auch May an Halsstarrigkeit nicht nachstehen: Bei den Sozialdemokraten und in anderen Parteien hätten sich gewiss kompromissbereite Politiker finden lassen. Zu spät. Jetzt geht es nur noch darum, das Chaos abzuwenden. Dazu bedarf es einer Verlängerung der Verhandlungsphase. Die EU tut gut daran, wie am Montag in Straßburg auch weiterhin den Briten die Hand zu reichen. (Sebastian Borger, 12.3.2019)