Nach dem Massaker an betenden Muslimen in zwei Moscheen in Christchurch steht Neuseeland unter Schock.

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Der Umgang mit dem rechtsextremen Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland sorgte auch für Wellen im benachbarten Australien. Von dort stammt der mutmaßliche Täter, der 28-Jährige Brenton T., ein selbsternannter "weißer Nationalist". Die 50 Todesopfer von Christchurch lagen noch dort, wo sie gefallen waren, als am Freitag der australische Senator Fraser Anning in die Tasten griff. "Die wirkliche Ursache des Blutbads in den Straßen von Neuseeland ist das Einwanderungsprogramm, das es muslimischen Fanatikern erlaubt, überhaupt einzuwandern", schrieb er in einer Mitteilung mit dem Wappen des Senats. Und: "Sagen wir es klar: Muslime mögen heute die Opfer gewesen sein, sonst sind sie die Täter."

Die Ausführungen wurden in den sozialen Medien zwar postwendend verurteilt. Premierminister Scott Morrison tat ebenso seine Abscheu kund wie sein Vorgänger Malcolm Turnbull. Anning sei eine "Schande für den Senat, und – was noch schlimmer ist – mit dem Verbreiten von Hass tut er genau das, was die Terroristen wollen", meinte dieser. Auch die neuseeländische Premierministerin Ardern reagierte entrüstet auf die Wortmeldung des australischen Senators.

Doch Fraser Anning ist nicht allein mit seiner Meinung, wie viele Worte direkter und indirekter Unterstützung seiner Aussagen in den sozialen Medien zeigen. Für verschiedene Beobachter ist die Attacke nur die logische Konsequenz einer weitverbreiteten Toleranz rechtsextremer Ideologien und Propaganda in Politik und Medien. "Er fühlte sich legitimiert", lautete ein Kommentar auf der Webseite einer Zeitung.

Tief verwurzelter Rassismus

Australien gilt zwar als eines der erfolgreichsten multikulturellen Länder der Welt. Seine Geschichte steht aber auf einem harten Fundament von Rassismus und einer tief verwurzelten Furcht vor dem "Anderen". Polemik und immer wieder auch Hetze gegen Menschen nichteuropäischer Abstammung gehören bis heute zum Alltag.

Michael Fuller, der Kommandant der Polizei in New South Wales – dem Heimatstaat des mutmaßlichen Mörders –, versicherte der Bevölkerung am Samstag, man habe die rechtsextreme Gefahr im Griff. Er widerspiegelt die Meinung von Experten, wonach die Bedrohung von rechts vorwiegend von "einsamen Wölfen" ausgehe, die sich in einschlägigen Internetforen wie "8Chan" radikalisieren. Rechtsextreme Gruppen seien in Australien randständig. Die wohl bekannteste ist die Vereinigte Patriotische Front unter Führung des Bodybuilders Blair Cottrell. Der Bauarbeiter wäre wohl eine skurrile Figur am rechten Ufer des braunen Sumpfes geblieben, hätte er nicht im Fernsehsender Sky TV seine Begeisterung für Adolf Hitler und seinen Hass auf Einwanderer publikmachen können.

Es ist wenig wahrscheinlich, dass die Toten von Christchurch zu einem grundlegenden Umdenken in den australischen Medien und der Politik führen werden. Das Schüren rassistischen Gedankenguts – es ist ein lohnendes Geschäft für Zeitungen. Und Scott Morrison, damals Abgeordneter, heute Premier, hatte schon 2010 in einer Sitzung seiner konservativen Partei "antiislamische" Rhetorik als Mittel identifiziert, um Wählerstimmen zu gewinnen. (Urs Wälterlin aus Canberra, 17.3.2019)