Lagerhallen voller alter Bücher: Das deutsche Unternehmen Momox gilt als Pionier im Recommerce-Geschäft und hat mittlerweile insgesamt fünf Lagerstandorte, wie hier in Leipzig.

Foto: Momox / Christoph Busse

Einiges, was im Keller so herumkugelt, könnte womöglich noch etwas wert sein. Das suggerieren einschlägige Onlineankaufsdienste, die auch gleich die Möglichkeit anbieten, derartige Materialsammlungen bequem zu Geld zu machen.

Das Prinzip ist schnell erklärt: Der Gegenstand wird über eine digitale Plattform angekauft, der Verkäufer erhält einen Lieferschein, mit dem das Produkt von zu Hause – gratis – abtransportiert wird. Im Lager angekommen, wird die Ware noch einmal überprüft. Wenn der Zustand den Ankäufer zufriedenstellt, wird der vereinbarte Betrag überwiesen.

Ein Pionier im Recommerce-Geschäft ist Momox. Das Unternehmen, das gebrauchte Bücher und Medien verkauft, ist seit vergangenem Jahr der erfolgreichste Händler auf Amazon Marketplace. Als Ein-Mann-Betrieb gestartet, wuchs die Berliner Firma stetig: 1300 Mitarbeiter sind mittlerweile an insgesamt fünf Lagerstandorten tätig. 2016 erwirtschaftete man einen Umsatz von 148 Millionen Euro.

Keine Roboter

Dabei setzt man auf eine firmeneigene Logistik, berichtet Momox-CEO Heiner Kroke: "Wir haben keine Third-Party-Logistics, sondern betreiben alle Lager selbst." Dabei ist dieser Prozess aber weniger automatisiert, als man angesichts der Prozessgeschwindigkeiten denken mag. "Wir arbeiten nicht mit Robotern. Das meiste wird bei uns manuell von unseren Mitarbeitern erledigt – aber natürlich immer IT-unterstützt. Unsere IT kontrolliert und steuert alle Logistikprozesse, die wir haben."

Durch das fortschreitende Wachstum sei man aber gefordert, solche Abläufe regelmäßig zu überarbeiten: "Die Skalierung bringt Herausforderungen mit sich. Die Prozesse an den Standorten müssen ständig neu definiert und optimiert werden."

Über ein gesundes Wachstum freut sich auch Buchmaxe – laut eigener Auskunft die Nummer drei auf dem deutschen Markt. Seit der Gründung 2010 hat man sich kontinuierlich vergrößert. Das Risiko liegt laut Geschäftsführer Marcin Lindermann aber vor allem bei den Transportkosten. "Wenn die Post wieder die Kosten erhöht, ist das erst einmal ein Dämpfer, weil sich das nicht sofort auf den Verkaufspreis umlegen lässt."

Auf die logistischen Abläufe blickt Lindermann aber insgesamt sehr zufrieden und sieht derzeit nur wenig Raum für Optimierungen. "Das läuft sehr rund – wir können uns auf Zulieferung und Versand gut verlassen."

Elektronische Geräte

Neben Büchern und Medien sind bei den Ankaufsdiensten vor allem elektronische Geräte gefragt – hierauf hat sich Flip4new spezialisiert. Gerade weil sich im Bereich der Smartphones derzeit auf dem Markt einiges ändert, sieht Firmengründer Lennart Kleuser Potenzial für sein Geschäftsmodell: "Die Haltedauer der Geräte wird sich nicht verkürzen. Hersteller und Händler werden das Thema Recommerce aber über Upgrade- und Rücknahmekampagnen stärker spielen."

Daher ist Flip4new längst nicht nur online aktiv, sondern kooperiert auch mit verschiedenen Elektroeinzelhändlern. Während der Kunde immer sein Geld gleich bekommt, dauert es manchmal etwas, bis die Geräte im Lager eintreffen – insbesondere wenn sie aus dem Ausland kommen: Aus Kostengründen werden sie dort erst einmal gesammelt und auf Paletten verschickt.

QR-Code statt Papier

Möglichst viele Produkte schnell und kosteneffizient zu befördern, das ist auch für Andreas Max, Betriebsleiter von Wirkaufens.at, ein Schlüssel zum Erfolg: "Durch die Menge, die wir am Tag bewegen, ergibt sich eine relativ günstige Preisstruktur bei den jeweiligen Logistikpartnern." Dennoch bleiben Preisdiskussionen nicht aus. Die Logistiker spürten eben auch den Wettbewerbsdruck. Aber gerade Transportdienstleister profitieren davon, dass inzwischen so viele Gebrauchtwaren auf die Reise geschickt werden. Zum Beispiel ist Hermes hier sehr aktiv: "Wir arbeiten bereits seit längerem eng mit diversen Ankaufsdiensten zusammen", erzählt Linda Behm.

Dazu müsse man aber auch die Entwicklung von Innovationen im Blick behalten. So hat sich Hermes vom papierenen Lieferschein verabschiedet. Seit 2015 gibt es die Möglichkeit, digitale Rücksendescheine mittels QR-Code zu erstellen.

Auch bei der Österreichischen Post freut man sich, dass die Ankaufsdienste das Transportgeschäft beleben. Pressesprecher David Weichselbaum: "Die Dienste diverser Plattformen werden von den Kunden gut angenommen." Jedoch stehe hierzulande der große Boom noch aus: "Diese Form der Dienstleistung ist nach wie vor ein zartes Pflänzchen."

Vermutlich ändert sich das aber bald: Mit der Übernahme des Zustellgeschäfts von DHL wird sich die gelbe Post schließlich bald auch vermehrt um die Lieferungen der Onlineankäufer kümmern müssen. (Johannes Lau, 24.3.2019)