Der Lastenradverkehr in Städten soll zunehmen. Sharing-Plattformen, die eine geteilte Nutzung möglich machen, können dazu beitragen.

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Vom Prinzip her passen Lastenräder perfekt zu den Transportbedürfnissen im städtischen Umfeld: Der Onlinehandel bringt Jeans, Notebooks oder Supermarkteinkäufe in die Wohnung, verstopft mit den Lieferwagen der Zusteller aber die Gassen.

Dabei könnten Paket- und Essenslieferanten die "Last Mile" entspannt und umweltfreundlich erradeln. Stadtbewohner, die sich noch zum samstäglichen Großeinkauf rauswagen, können diesen selbst nach Hause transportieren. Selbst ambitionierte Unternehmungen wie Wohnungsumzüge per Lastenrad sind überliefert.

Für eine steigende Durchdringung der Städte fehlen einerseits die entsprechenden Regularien, die die Gefährte im Vergleich zu Lieferwagen attraktiver machen. Auf der anderen Seite sind niederschwellige und akzeptanzfördernde Maßnahmen notwendig. Dazu gehören Leihräder. Wo der Bedarf für gewerbliche Angebote noch zu gering ist, können Plattformen zum Lastenrad-Sharing einspringen. In Wien gibt es dazu mittlerweile einige Beispiele.

Seit vielen Jahren stellt etwa das Lastenradkollektiv, eine Non-Profit-Organisation, Lastenräder gegen freiwillige Spenden zur Verfügung. Seit 2017 betreibt zudem die Stadt Wien über ihre Mobilitätsagentur eine "Grätzlrad"-Plattform, auf der man Lastenräder in Geschäften, Büros und Lokalen – von der Wiener Börse bis zum Stadtteilmanagement in Aspern – ausborgen kann.

Im Projekt "Lara Share" haben zudem Entwickler der TU Wien mit Projektpartnern, gefördert aus Bundesmitteln, eine Plattform entwickelt, die noch einen Schritt weiter geht: Neben der geteilten Nutzung von Rädern soll auch die Vermittlung von Stellplätzen schnell und unkompliziert möglich werden. Denn neben der Verfügbarkeit der Räder selbst ist Platzmangel eine der großen Hürden für die Lastenradnutzung.

Stellplätze fehlen

"Viele Menschen würden gerne ein Lastenrad nutzen. Doch wenn man es nur hin und wieder benötigt, zahlt sich die mehrere Tausend Euro teure Anschaffung nicht aus", erklärt Lara-Share-Projektleiter Fabian Dorner vom Fachbereich für Verkehrssystemplanung der TU Wien. "Dazu kommt, dass in einer Stadt wie Wien mit seinen Gründerzeitbauten die Stellplätze fehlen. Oft ist die Zugänglichkeit ein Problem. Ein paar Stiegen zwischen Eingang und Innenhof sind bereits eine große Hürde." Nischen in Tiefgaragen, ebenerdig zugängliche Höfe und ähnliche Orte würden sich dafür anbieten.

Nicht nur Privatanwender sind eine potenzielle Zielgruppe derartiger Plattformen. Auch Gewerbetreibende könnten mit dem Angebot den Gebrauch von Lastenrädern für ihre Zwecke testen. Wobei das Prinzip bei Geschäften, die regelmäßig oder zu bestimmten Zeitpunkten liefern müssen, das Konzept an seine Grenzen stoße, räumt Dorner ein. "Aber die Plattformen können einen Erstkontakt zum Einsatz von Lastenrädern herstellen."

Dorner und Kollegen haben in ihrem 2017 gestarteten Projekt auch Nutzerbedürfnisse erhoben. "Fahrrad-affine" Gruppen wurden per Onlinefragebogen über ihre Interessen befragt. "Bei potenziellen Nutzern von Leihrädern zeigte sich dabei großes Interesse", berichtet der Forscher. "Auf jeden Fall ist aber gefordert, dass die Plattform niederschwellig und einfach bedienbar ist", betont Dorner.

Schnell und sicher

Laut den Erhebungen ist etwa die Hälfte der Besitzer auch bereit, ihre Lastenräder zu verleihen. "Wir haben Workshops mit potenziellen Anbietern abgehalten. Hier wurde klar, dass die Transaktionen keinesfalls zu viel Zeit beanspruchen dürfen", erklärt der Projektleiter. "Zudem war Sicherheit für die Besitzer ein Thema. Nutzer sollten sich also registrieren müssen, um finanzielle Risiken zu minimieren."

Lara Share absolvierte vergangenen Herbst einen Testbetrieb und ist öffentlich zugänglich. Auch die Räder des Lastenradkollektivs sind darin gelistet. Gerade bei den Stellflächen hätte sich das TU-Wien-Team noch mehr Angebote gewünscht, nur eine Handvoll wurden registriert.

In einem möglichen Nachfolgeprojekt könnte Lara Share neu aufgegriffen werden. "Langfristig werden wir einen Betreiber finden müssen, der sich darum kümmert", sagt Dorner. "Letztendlich muss es das Ziel sein, eine Lastenrad-Sharing-Plattform zu schaffen, die alle Initiativen vereint und zusammenführt." (Alois Pumhösel, 20.3.2019)