Im Wahlkampf verhielten sich IT-Bosse wie Marc Zuckerberg distanziert gegenüber dem späteren Präsidenten Donald Trump. Mit Spenden bedachte die Branche Demokraten und Republikaner gleichermaßen.

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Das Kasino hat wieder einmal gewonnen. Sheldon Adelson, dem die Hälfte der Las-Vegas-Sands-Gruppe gehört und der damit der größte Kasinobetreiber der USA ist, hat im jüngsten US-Wahlkampf mit seinen Spenden alle anderen Unternehmerbosse überboten. 113 Millionen Dollar hat er für republikanische Kandidaten bei den Wahlen zum Kongress 2018 ausgegeben. Adelson hatte schon in der Vergangenheit ein glückliches Händchen mit seinen Entscheidungen bewiesen. Der Kasinoboss hat 2016 die Rangliste der Trump-Geldgeber bei den Präsidentschaftswahlen angeführt.

In keiner anderen westlichen Demokratie wird so viel Geld im Rahmen von Wahlkampagnen ausgegeben wie in den USA. Weil ohne millionenschwere und oft milliardenschwere Unterstützer nichts geht, sagen Kritiker oft, die US-Demokratie werde in Wahrheit von Unternehmen, von Corporate America, dominiert.

Ein Gruppe von Wissenschaftern, darunter Alma Cohen von der Harvard University und Moshe Hazan von der Wirtschaftsuniversität Tel Aviv, wollte es etwas genauer wissen. Sie sind im Rahmen einer soeben vorgestellten Studie der Frage nachgegangen, wo genau die mächtigsten US-Firmenbosse politisch stehen, welchen Kandidaten sie also Geld geben und wie viel. Die Forscher haben dafür analysiert, an wen die Firmenchefs der 1500 wichtigsten börsennotierten Gesellschaften in den USA seit dem Jahr 2000 gespendet haben.

Eindeutige Dominanz

Das Gesamtergebnis ist zwar wenig überraschend: Die Firmenchefs spenden öfter und mehr für Republikaner, die als besonders unternehmernah gelten. Erstaunlich ist aber, wie groß die Kluft ist. 75 Prozent der Spendengelder der Firmenbosse gehen an republikanische Kandidaten. Nahezu 60 Prozent der CEOs unterstützen überwiegend oder einzig die Konservativen. Gerade 18 Prozent geben Geld für die Demokraten, der Rest spendete an Kandidaten von kleineren und unbedeutenden Parteien.

In manchen Branchen ist die Kluft besonders gewaltig. Im Energiesektor etwa, zu dem die großen Erdölkonzerne Exxon Mobil oder Chevron zählen, unterstützen 90 Prozent der Unternehmensbosse republikanische Bewerber. In der Warenproduktion und in der chemischen Industrie gibt es ebenso kaum Geld für Demokraten.

Ausnahme Telekomsektor

Die Republikaner haben in nahezu allen untersuchten Branchen eine dominante Stellung, also in Finanzindustrie ebenso wie in der Pharmabranche. Einzig im Telekomsektor liegen die beiden wichtigsten Parteien bei Spenden gleichauf. IT-Unternehmen wie Facebook und Google zählen in der Bewertung der Studienautoren zum Telekomsektor.

Die Zahlen für ihre Analyse haben die Wissenschafter einer Datenbank der Federal Election Commission entnommen. Dort muss jede politische Spende über 200 Dollar bei Bundeswahlen registriert werden. Dementsprechend wurden nur Gelder zugunsten von Kandidaten ausgewertet, die für ein Bundesamt kandidiert haben. Insgesamt haben die Unternehmer im untersuchten Zeitraum 420 Millionen US-Dollar an Republikaner und Demokraten gespendet.

Die Analyse bewertet die Vorgänge nicht, sondern will, so schreiben es die Autoren, einen Beitrag dazu leisten, die Rolle von großen US-Unternehmen in der Politik besser zu verstehen. Dabei sind viele Zusammenhänge offensichtlich.

Erdölbranche republikanisch

Zu den ersten Amtshandlungen von Präsident Trump zählte etwa, grünes Licht für die Verlängerung der strittigen Ölpipeline Keystone XL zu geben. Trumps Vorgänger, der Demokrat Barack Obama, hatte das Projekt zuvor jahrelang blockiert. Umweltschützer kritisieren die Pipeline, weil mit Keystone Erdöl aus der westkanadischen Provinz Alberta zu Raffinerien in die USA transportiert werden soll. In Kanada wird das Öl aus sandigen Teerböden gewonnen, was als besonders umweltschädlich gilt, weil eine hohe Menge an chemischen Stoffen eingesetzt werden muss.

Von seinem Vorgänger Barack Obama war die Verlängerung der Keystone-Pipeline für Öl aus Kanada verhindert worden. US-Präsident Donald Trump gab gleich nach der Wahl im Jänner 2017 grünes Licht.
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Trump befürwortet aber auch Fracking, bei dem Erdöl und Erdgas ebenfalls unter massivem chemischem Einsatz aus Schiefergestein gewonnen werden. Zu Trumps ersten handelspolitischen Maßnahmen gehörte, Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Während die wichtigen Autobauer in den USA wie General Motors mit diesem Schritt nicht einverstanden sind, wurden die Zölle von den Metallerzeugern lautstark gefordert.

Unterstützung geheim

Die Studie hat noch einige interessante Ergebnisse ans Licht gebracht. So sind Unternehmen in den USA nicht verpflichtet offen zulegen, welchen politischen Kandidaten und Parteien sie Geld geben. Manche Konzerne tun es dennoch. Laut Harvard-Wissenschafterin Cohen gibt es dabei einen klaren Zusammenhang. Wenn ein Unternehmen von einem Firmenboss geleitet wird, der eher die Republikaner unterstützt, dann veröffentlichen diese Konzerne tendenziell keine Informationen über ihre Spendenaktivitäten.

Schließlich sind auch die Daten zum Spendenverhalten der weiblichen Unternehmer spannend. Zunächst waren nur 2,2 Prozent der CEOs Frauen. Unter weiblichen Chefs ist das Verhältnis aber nahezu ausgeglichen, etwa ebenso viele spenden an Republikaner wie an Demokraten. (Andras Szigetvari, 21.3.2019)