Alibaba, Erzrivale von Amazon aus dem Reich der Mitte, wächst in Österreich.

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Wien – China gewinnt im europäischen Einzelhandel zusehends an Gewicht. Sechs von zehn Österreichern haben mindestens einmal über chinesische Onlineplattformen eingekauft, ergab eine Befragung des Marktforschers Mindtake im Vorjahr. Drei bis vier Prozent des Handelsvolumens hierzulande sollen bereits auf das Konto chinesischer Internethändler gehen. Auf dem Marktplatz von Amazon stellen sie ein Drittel aller Partner. Alibaba, Erzrivale von Amazon aus dem Reich der Mitte, wächst in Österreich, Rainer Will zufolge, monatlich um 30 Prozent.

Der Chef des Handelsverbands hat nun mit Juristen und Experten das Geschäftsgebaren der zu Alibaba gehörenden Onlineplattform Aliexpress abgeklopft. Das Ergebnis: Der chinesische Internetriese verstößt mehrfach gegen Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbestimmungen der EU. Parallel dazu führte der Verband dutzende Testbestellungen durch und überprüfte etwa Sneakers und Shirts namhafter Marken auf ihre Echtheit. Nahezu alle Produkte waren gefälscht, bestätigten die Hersteller.

Das Risiko dabei trägt der Konsument, sagt Will im Gespräch mit dem STANDARD. Denn der Kaufpreis werde oft nicht rückerstattet. Deckt die Zollbehörde Fälschungen auf, wird die Ware vernichtet.

Besondere Garantieleistungen

Wettbewerbsverzerrung macht Will bei Aliexpress aufgrund vermeintlicher besonderer Garantieleistungen aus. In der EU ist es verboten, Konsumenten Rechte anzupreisen, die ihnen gesetzlich ohnehin zustehen. Aliexpress werbe aber offensiv für ein sogenanntes Kundenschutzpogramm: Die chinesische Plattform garantiert Käufern etwa, dass sie ihr Geld retour erhalten, sollten Produkte zu spät geliefert werden oder nicht der Beschreibung entsprechen. Tatsächlich ist die Rückgabe der Ware in der EU bei einem Onlinekauf innerhalb von 14 Tagen immer möglich – ohne Angabe von Gründen.

Als irreführend wertet der Handelsverband zudem freiwillige Extraservices, die Aliexpress anpreist. Durch eine zusätzliche Option geben Verkäufer der Plattform eine Echtheitsgarantie. Allein das komme dem Eingeständnis nahe, dass auch gefälschte Produkte verkauft werden, sagt Will. "Die Lieferung von Originalware sollte eine Selbstverständlichkeit sein."

Zudem ortet er eine mangelhafte Einhaltung von Sicherheitsvorschriften. Oft fehle die CE-Kennzeichnung, die Verbraucher vor bedenklicher Ware schützen soll. Kritik übt er am "systematischen Steuerbetrug durch Falschdeklaration": Fast alle Testbestellungen bei Aliexpress seien falsch deklariert gewesen, um die Freigrenze bei der Einfuhrumsatzsteuer zu umgehen. In Summe bedeute das für Österreich einen Schaden von hunderten Millionen Euro. (Verena Kainrath, 24.3.2019)