Für das "Klartext" Gespräch von vergangener Woche lud Ö1 die Spitzenkandidaten der österreichischen Parteien für die EU-Wahlen ein. Wie zu erwarten fassten sich die Gäste nicht gerade mit Samthandschuhen an. SP-Spitzenkandidat Andreas Schieder warf der FPÖ vor, eine anti-europäische Partei zu sein, was deren Spitzenkandidat Harald Vilimsky zurückwies. Daraufhin berief sich Schieder auf das Anti-EU-Volksbegehren der Freiheitlichen im Jahr 2015. Vilimsky beharrte weiter darauf, dass die FPÖ schon immer eine Pro-EU-Partei gewesen sei und bot im gleichen Atemzug seine "authentische Interpretation" an.

Erste Hilfe-Maßnahme bei misslungener Message Control

Nur fragt sich der Zuhörer allerdings, was genau unter einer "authentischen Interpretation" zu verstehen ist. Es mag ja eine falsche und eine richtige Interpretation geben. Beides unterliegt der Wertung des Betrachters. Doch was hat die Authentizität mit der Interpretation zu tun? Geht es darum, dass der Urheber seine Tat selbst interpretiert? Wir können natürlich davon ausgehen, dass er das zu seinem eigenen Vorteil tut. Und da klingt die Formulierung "authentische Interpretation" schon viel eleganter als die platte oder gar rechthaberische Beschreibung als "richtige Interpretation". Eigentlich sollte es ja gar keiner Interpretation bedürfen, außer – ja, außer die Message Control hat versagt. Und so deucht dem Zuhörer, dass die "authentische Interpretation" eigentlich nichts Anderes als eine Erste-Hilfe-Maßnahme für misslungene Message Control ist. (Markus A. Gaßner, 25.3.2019)

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