Wien – Der Österreichische Genossenschaftsverband (ÖGV) will nun auch verstärkt Start-ups ansprechen. "Wir sind überzeugt, dass das kooperative Wirtschaften in Zeiten der Globalisierung die richtige Antwort ist", sagte Vorstandschef Peter Haubner in einer Pressekonferenz. Aufgaben könnten gemeinsam "kostengünstiger und effizienter" bewältigt werden. Im April startet der Verband eine Informationskampagne.

"Wir wollen die Genossenschaften aus dem verstaubten Eck herausholen und in ein Licht moderner Unternehmenskooperation stellen", betonte Haubner am Montag und sprach dabei vor allem Betriebe aus den Bereichen Handel, Produktion und Dienstleistungen an. Im landwirtschaftlichen Bereich dominiert Raiffeisen.

150 Unternehmen

Zum ÖGV gehören genossenschaftliche Unternehmen wie etwa die Volksbanken, die Wiener Rauchfangkehrer sowie rund hundert Waren- und Dienstleistungsgesellschaften wie die Murauer Brauerei, Adeg, der Elektrofachhändler Red Zac, Sport 2000 oder auch die Austria Presse Agentur (APA). Insgesamt sind es rund 150 Unternehmen – zwei Drittel sind im Bereich Waren und Dienstleistungen tätig, ein Drittel im Finanzdienstleistungsbereich. "Raiffeisen ist speziell im landwirtschaftlichen Bereich tätig, wir im gewerblichen – das sind zwei selbstständige Verbände", erklärte Haubner.

Den angesprochenen Start-ups will der ÖGV kostenlose Beratung in der Gründungsphase und dann weiteres Coaching anbieten – in der Hoffnung auf eine spätere Verbandsmitgliedschaft, die ab 1.800 Euro jährlich kostet (je nach Bilanzsumme und Umsatz). "Wenn nicht die Gewinnmaximierung die Hauptüberlegung ist, dann ist die Genossenschaft eine Unternehmensform für Start-ups", so der Verbandsanwalt. Diese Gesellschaftsform sei "eine relativ kostengünstige Variante, ein Unternehmen zu gründen".

Wenig Wissen

Das Wort "Genossenschaft" ist in der Bevölkerung weithin bekannt, was es genau bedeutet aber eher nicht, geht aus einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Imas hervor, die im Jänner auf Basis von 1.029 repräsentativen Interviews durchgeführt wurde. "Insgesamt haben wir einen relativ mäßigen Informationsstand zu Genossenschaften – gut informiert ist die Minderheit, zwei Drittel sind das in der Tendenz eher nicht", berichtete Studienautor Paul Eiselsberg. Gleichzeitig würden Genossenschaften aber Aspekte wie "wirtschaftlich erfolgreich", "Sicherheit" und "Zukunftsorientierung" zugeschrieben.

Im ländlichen Bereich würden Genossenschaften sehr stark mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht, im städtischen Bereich mit Wohnbaugenossenschaften. "Die Renaissance des kooperativen Wirtschaftens muss man den Menschen wieder ein bisschen näherbringen – ein Backoffice kann man zum Beispiel als Genossenschaft organisieren", sagte der ÖGV-Chef im Gespräch mit der APA. (APA, 25.3.2019)