Die Suche nach Lebensspuren auf dem Mars blieb bisher erfolglos. Immerhin weiß man jetzt aber, dass Organismen von der Erde dort überleben könnten.
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Ob es auf dem Mars einst Leben gegeben hat, oder womöglich verborgen unter der Oberfläche noch gibt, ist Gegenstand zahlreicher Studien und nicht zuletzt auch Forschungsziel einiger Missionen zum Roten Planeten. Auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführte Versuche haben nun ergeben, dass zumindest einige terrestrische Mikroben, die auf der Erde unter extremen Bedingungen existieren, auf dem Mars durchaus längere Zeit überleben würden.

Im Rahmen des vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) koordinierten Experiments BIOMEX (BIOlogy and Mars EXperiment) wurden Proben unterschiedlicher Organismen wie Bakterien, Algen, Flechten und Pilze auf einer Außenplattform der ISS insgesamt 533 Tage dem Vakuum, intensiver UV-Strahlung und extremen Temperaturunterschieden ausgesetzt. Die Lebewesen waren 2016 an Bord einer Sojus-Kapsel von der Raumstation zurück auf die Erde gebracht worden. Nun liegen die ersten Resultate vor.

Im Rahmen des Experiments BIOMEX wurden unterschiedliche Organismen den Extrembedingungen des Weltraums ausgesetzt.
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Hart genug für den Mars

Eines der wichtigsten Ergebnisse lautet: Tatsächlich sind manche irdische biologische Substanzen und Strukturen hart genug im Nehmen, um den harschen Bedingungen auf dem Mars zu trotzen. "Einige der Organismen und Biomoleküle haben im offenen Weltraum eine enorme Strahlungsresistenz gezeigt und kehrten tatsächlich als ‚Überlebende‘ aus dem All zur Erde zurück", erklärte Jean-Pierre Paul de Vera vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof.

Dem Astrobiologen oblag die wissenschaftliche Leitung von BIOMEX. "Wir haben unter anderem Archäen, also einzellige Mikroorganismen, wie es sie auf der Erde seit über dreieinhalb Milliarden Jahren im salzigen Meerwasser gibt, untersucht", so der Wissenschafter. "Unsere ‚Probanden‘ sind Verwandte, die aus dem Permafrost der Arktis isoliert wurden. Sie haben unter Weltraumbedingungen überlebt und sind zudem mit unseren Instrumenten detektierbar. Solche Einzeller wären Kandidaten für Lebensformen, die wir uns auch auf dem Mars vorstellen könnten."

Nach der Rückkehr wurden die Proben mithilfe von durch das DLR entwickeltn Sensoren analysiert. Es gelang damit der Beweis, dass die Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen bei zukünftigen Weltraummissionen detektiert werden können.
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"Das bedeutet freilich noch lange nicht, dass Leben auch wirklich auf dem Mars vorkommt", schränkt de Vera ein. "Aber die Suche danach ist nun mehr denn je die stärkste Triebfeder für die nächste Generation von Raumfahrtmissionen zum Mars." Zwar zeigten Raumsonden in der Umlaufbahn und mobile Labors auf der Marsoberfläche, dass wichtige Voraussetzungen für Leben auch noch heute vorhanden sind – eine Atmosphäre, Elemente wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel oder Phosphor und auch Wasser – zumindest in Form von Eis. Doch Leben selbst oder dessen Stoffwechselprodukte registrierten die Detektoren der Marsforscher bisher nicht.

Gestärkte Panspermia-These

Die BIOMEX-Resultate untermauerten auch die Existenzberechtigung einer anderen Hypothese, die unter Wissenschaftern seit Jahrzehnten diskutiert wird und bei der Frage, wie das Leben vor 3,8 Milliarden Jahre auf die Erde kam, eine Rolle spielt: Die sogenannte Panspermia-These geht davon aus, dass Organismen auf dem frühen Mars existierten und durch einen Asteroideneinschlag in ausgeworfenem Gestein von dem Planeten weggeschleudert und gleichsam als blinde Passagiere ins innere Sonnensystem verfrachtet wurden. Dort kollidierten manche als Meteoriten mit der Erde. Möglicherweise trugen diese Fernreisenden zur Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten bei, bildeten vielleicht sogar deren Grundlage. (red, APA, 26.3.209)