Das war's dann wohl mit der uneingeschränkten Informationsweitergabe im Internet. Am Dienstag hat das EU-Parlament mit großer Mehrheit für die Einführung von Upload-Filtern gestimmt. Es ist bemerkenswert, wie sich in nur wenigen Jahren eine so starke Lobby zur Erhaltung vorhandener Strukturen des "jungen" Mediums Internet gebildet hat. Ob das Ganze eine Zukunft hat, wird sich weisen. Eher nicht. Denn die Geschichte zeigt, dass engagierte Geister immer einen Weg finden, Beschränkungen der Informationsfreiheit zu unterlaufen.

Der Upload-Filter behindert die Crowd-Intelligenz

Eines hat das EU-Parlament ganz sicher erreicht – es hat die Politikverdrossenheit unter den Jungen gesteigert. Was soll denn ein Digital Native von Politikern halten, die primär Inhalte und Strukturen bewahren? Wie soll denn Neues entstehen, wenn das Bestehende nicht weiterentwickelt werden darf? Soll eine Welt bewahrt werden, die im Grunde gar nicht erhaltenswert ist? Angesichts der einsetzenden Klimakatastrophe und des wachsenden sozialen Gefälles ist die Zeit des Bewahrens vorbei. Die von den Alten geschaffene Welt hat keine Zukunft. Lassen wir doch die Jungen ans Ruder. Sie folgen ihren Instinkten und organisieren sich von alleine. Jetzt ist Crowd-Intelligenz gefragt. Doch die wird durch den Upload-Filter behindert.

Die WLAN-Verbindung als Samisdat-Schrift des 21. Jahrhunderts

Rein technisch betrachtet könnten mehrere User ein eigenes Netz aufbauen, indem sie einfach ihre Computer und Smartphones über Wlan verbinden. Das ist vielleicht etwas weit hergeholt, doch werden findige Geister sicher eine ähnlichen Weg finden, um den von der EU unterbundenen Informationsfluss wiederherzustellen. Schließlich wurden die Samisdat-Schriften des osteuropäischen Untergrunds auch nicht in den Staatsdruckereien der kommunistischen Regime produziert. (Markus A. Gaßner, 27.3.2019)