Ein Löwe im Kruger-Nationalpark in Südafrika. Die Spezies ist gefährdet, in Afrika gibt es nur mehr 20.000 Exemplare in der Wildnis.

Foto: AP Photo/Jerome Delay

Mehr als 26.000 Tierarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN). Von einigen Spezies, wie etwa bestimmten Nashörnern, Elefanten oder Gorillas, gibt es weltweit sogar nur mehr einige wenige Exemplare. Nicht nur die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht die Tiere – auch Wilderer sind eine Gefahr. Universitäten und IT-Giganten wollen jetzt mit technischen Mitteln Tierschützern im Kampf gegen das Artensterben unter die Arme greifen.

Mit Mathematik gegen Wilderer

Paws, kurz für Protection Assistant for Wildlife Security, heißt die Software, die Ranger in Nationalparks unterstützen soll. Weil die Gebiete so groß sind, ist es unmöglich, überall gleichzeitig zu kontrollieren. Die App schlägt deshalb Routen vor, bei denen die Wahrscheinlichkeit, auf Wilderer oder Fallen zu treffen, besonders hoch ist. Um das System zu trainieren, fütterte das Team die Software mit Daten aus zwölf Jahren – frühere Attacken von Wilderern, Fundorte von Fallen, frühere Routen von Rundgängen.

Um für die Wilderer nicht zu vorhersehbar zu sein, greifen die Wissenschafter der University of Southern California, die das Projekt leiten, auf Prinzipien der Spieltheorie zurück. In einem Nationalpark in Uganda sei die Methode bereits mit Erfolg getestet worden, berichten die Forscherinnen und Forscher.

Unterstützung für Citizen-Scientists

Technologie kann aber auch dabei helfen, festzustellen, wie viele Wildtiere es überhaupt gibt – eine wichtige, aber zeitraubende Aufgabe im Tierschutz. Zwar sind Wildkameras inzwischen günstig, hochauflösend und können ein großes Gebiet abdecken. Um aber herauszufinden, wie viele Elefanten, Giraffen oder Nashörner auf den abertausenden Bildern zu sehen sind, brauchte es aber bisher Menschen – viele Menschen.

Citizen-Science nennt man es, wenn Laien sich nach dem Wikipedia-Prinzip an Forschungsprojekten beteiligen: freiwillig, unverbindlich und unentgeltlich. Eines der größten Portale für Citizen-Science weltweit ist Zooniverse. Dort können Nichtwissenschafter Luftbilder klassifizieren, alte handschriftliche Notizen transkribieren oder eben Wildtiere erkennen.

Microsoft

Auch der Serengeti-Nationalpark in Tansania lädt seine Fotos auf die Plattform. Das Problem: Die über 200 Kameras produzieren jede Menge Ausschussmaterial, auf vielen Bildern ist kein einziges Tier zu sehen. Seit einem Jahr setzt das Projekt "Snapshot Serengeti" deshalb auf maschinelles Lernen, um die Klassifizierung zu beschleunigen. "Keine Panik", beruhigt das Team die Hobbywissenschafter in seinem Projektblog, man glaube nicht, dass die Software bald die menschliche Klassifizierungsarbeit übernehmen werde, aber man beobachte die Entwicklung künstlicher Intelligenz mit Interesse.

Walhai-Tracking

Wildbook geht sogar noch einen Schritt weiter: Während Gesichtserkennung und Bewegungsprofile bei Menschen Bedenken schüren, kennen Tiere keine Privatsphäre. Die Software, die von Microsoft mitentwickelt wird, erkennt nicht nur Spezies, sondern sogar einzelne Tiere, etwa am Fellmuster. So können Bewegungsprofile von Tieren und Herden erstellt werden. Inzwischen können Safaribesucher auf GiraffeSpotter.org sogar eigene Fotos hochladen und die Bewegungsverläufe verfeinern.

Walhaie haben ein einzigartiges Punktemuster, das sie identifizierbar macht.
Foto: whaleshark.org

Die Crowd macht sich Wildbook auch zunutze, um die Walhai-Population zu dokumentieren. Jedes Exemplar der vom Aussterben bedrohten Art hat ein Punktemuster und eine Flossenstruktur, die jeden der riesigen Fische eindeutig identifizierbar machen. Durch die mit Standort versehenen Fotos und Videos von Laien können Forscher so zum Beispiel neue Walhai-Hotspots ausmachen, die schützenswert sind. (pp, 28.3.2019)