Sondengänger, die mit Metallsuchgeräten auf der Jagd nach Schätzen im Boden graben, sind in der archäologischen Community nicht sonderlich beliebt. Das kommt nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass schon durch das oberflächliche Aufsammeln eines Artefakts ohne genaue und fachgerechte Dokumentation der Fundumstände wertvolle Informationen verloren gehen. Der Kontext eines Fundes – also zum Beispiel der genaue Fundort, seine Lage und stratigrafische Zuordnung – liefert wichtige Anhaltspunkte für Datierung und Verwendungszweck. Den Satz "Ein Fund ohne Kontext ist archäologisch wertlos" habe ich während meines Studiums oft gehört.

Goldring, entdeckt durch Sondengänger während einer Vorabuntersuchung.
Foto: t. aga brun/VFK

Zusammenarbeit und großer Schaden

Natürlich ist nicht jeder Sondengänger automatisch ein sogenannter Raubgräber. Für viele Laien sind die Funde das Spannendste an der Archäologie. Keramik, Waffen, Schmuck, Werkzeug – all diese Objekte geben im wahrsten Sinn des Wortes hautnah Einblick in vergangene Zeiten. Und so gibt es auch viele engagierte und kompetente Sondengänger, die mit Museen und Landesarchäologien zusammenarbeiten (in den allermeisten Fällen ehrenamtlich), die ihre Suchgebiete kennen und wissen, was zu tun ist, wenn sie auf Funde stoßen. Trotzdem findet man sich im Denkmalschutz immer wieder mit Menschen konfrontiert, die nicht über archäologische und strafrechtliche Konsequenzen ihres Hobbys Bescheid wissen und "einfach ein bisserl nach Schätzen graben wollen". Auch wenn das unbeabsichtigt passiert, richtet es doch Schaden an. Die für Archäologen problematischste, wenn auch kleinste Gruppe sind aber Sondengänger, die aus Sammlerleidenschaft und/oder auf lukrativen Gewinn hoffend wissentlich gegen das Gesetz verstoßen und archäologische Fundstellen (zer)stören.

Eines der bekanntesten Beispiele dieser Kategorie in Europa ist der Kriminalfall rund um die Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 von zwei Raubgräbern mittels Metallsuchgeräten entdeckt und später um 700.000 D-Mark auf dem Schwarzmarkt angeboten wurde. Solch schwarze Schafe gefährden nicht nur archäologische Bodenschätze, sondern bringen die gesamte Community der Sondengänger in Verruf; einer der Hauptgründe für das problematische Verhältnis zwischen Archäologen und Sondengängern und mitverantwortlich dafür, dass sogar das eigentlich völlig unschuldige Metallsuchgerät (zu Unrecht) in der Archäologie einen zweifelhaften Ruf genießt.

Himmelsscheibe von Nebra.
Foto: AP Photo/Markus Schreiber
Gefangenenplakette mit Nummer und Herkunftsort aus dem Zweiten Weltkrieg, gefunden im Bereich des Friedhofs eines deutschen Gefangenenlagers auf Mellombolæren. In diesem Fall wurde der Sondengänger von der Fylkeskommune für das Projekt speziell angestellt.

Dass es auch anders geht, davon kann ich mich seit einem Jahr in Norwegen überzeugen. Hier ist das Sondengehen nicht prinzipiell verboten, wie in Ländern wie Schweden. Strafbar macht man sich aber dann, wenn man mit oder ohne Metallsuchgerät willentlich und wissentlich denkmalgeschützte archäologische Bodenschätze zerstört. Diese Formulierung bietet Raubgräbern natürlich einige Schlupflöcher, man muss dazu aber wissen, dass durch das norwegische Denkmalschutzgesetz alle (auch noch unentdeckte) Bodendenkmäler, die in die Zeit vor 1537 datieren, automatisch unter Schutz stehen. Das macht es rechtlich dann doch wieder etwas schwieriger für die schwarzen Schafe.

Sondengänger Leif und Erik bei der Arbeit in Manvik.
Foto: v. lia/VFK
Münzen stellen auch in Norwegen eine der wichtigsten Fundgattungen beim Sondengehen dar.
Foto: r. nordseter/VFK
Einen besonders schönen Fund lieferte Sondengänger Cato Mikkelsen in der Fylkeskommune ab: eine eisenzeitliche Tierfibel aus Bronze.
Foto: r. nordseter/VFK

Sondengänger einbeziehen

Die Denkmalschutzabteilung der Vestfold Fylkeskommune verfolgt seit längerem einen sehr progressiven Kurs im Zusammenhang mit dem Sondengehen. Seit den 90er-Jahren werden Sondengänger dabei bei Vorabuntersuchungen potenzieller archäologischer Fundstellen eingesetzt. Einer der Gründe für diese positive Entwicklung ist sicher, dass Vestfold viel Ackerland besitzt, auf dem Sondengehen sehr erfolgreich angewandt werden kann.

Einen Schub erfuhr dieser Ansatz durch ein Projekt aus dem Jahr 2010, das die Lokalisierung des Schlachtfelds von Re zum Ziel hatte, eines Areals, das im Norwegischen Bürgerkrieg gleich zweimal, nämlich 1163 und 1173, Kriegsschauplatz war. Archäologen der Fylkeskommune durchforsteten dafür schriftliche Quellen und konzentrierten sich besonders auf Landschaftsbeschreibungen. Um das potenzielle Gebiet näher zu untersuchen, griffen sie dann auf eine Metalldetektorkampagne zurück. Knapp 30 Sondengänger folgten der Einladung zu einem freiwilligen zweiwöchigen Einsatz (bezahlt wurden lediglich Kost und Reisespesen) und leisteten dabei einen wichtigen Beitrag zur Forschungsarbeit.

Sondengänger während der Kampagne des Re-Projekts.
Foto: VFK
Bis zu 30 Sondengänger nahmen an der Re-Kampagne teil.
Foto: v. lia/VFK

350 zusätzliche Artefakte

Der Erfolg des Re-Projekts bedeutete den Startschuss für die systematische Einbindung von Sondengängern in die Bodendenkmalpflegeroutinen in Vestfold. Durch das Projekt bekamen Archäologen Einblick in und Kontakte zur Community der Sondengänger und stellten staunend fest, wie viele Leute sich mit diesem Thema beschäftigten. Interessant war auch, dass Sondengänger durchaus politisch aktiv waren und sind und durch Lobbying versuchen, auf Denkmalschutzgesetze Einfluss zu nehmen. Das Aufeinanderzugehen sollte sich jedenfalls bezahlt machen: Wurden 2010 von Sondengängern lediglich zwei Fundstücke an die Fylkeskommune abgeliefert, waren es 2011 schon elf Objekte. Im letzten Jahr fanden so rund 350 Artefakte ihren Weg zu den zuständigen Institutionen und zur weiteren Bearbeitung.

Diese erfreuliche Zahl bedeutet aber auch mehr Arbeit für meine Kollegen Vibeke Lia und Ragnar Oten Lie, die sich manchmal lachend als Sekretäre der Sondengänger bezeichnen. Denn die eingelieferten Funde müssen gesäubert, aufgenommen, vermessen, vorläufig klassifiziert und in eine Datenbank eingegeben werden, um dann an die zuständigen Museen ausgeliefert zu werden. Auch amtliche Schriftstücke müssen ausgefüllt werden, nicht zuletzt, damit Sondengeher und Grundbesitzer zu ihrem Finderlohn kommen, denn Sondengeher haben in Norwegen Anspruch auf 50 Prozent des Fundwerts, genauso wie der Grundbesitzer, auf dessen Land der Fund gemacht wurde.

Typisches Ensemble an Funden, die durch Sondengänger an die Fylkeskommune übergeben werden. Auch nichtmetallische Funde, die auf den Feldern an der Oberfläche liegen, werden oft während des Sondierens entdeckt.
Foto: r. orten lie/VFK

Wichtiger Beitrag des Denkmalschutzes

Vibeke und Ragnar verwenden auch viel Zeit darauf, den Kontakt zur Community zu halten, zu informieren und über Rechte und Pflichten aufzuklären. Sondengänger müssen die Erlaubnis des Grundbesitzers einholen, bevor sie mit der Suche beginnen, und dieser kann sie durchaus auch verweigern. Sie müssen das Land so hinterlassen, wie sie es vorgefunden haben; Löcher müssen zum Beispiel wieder zugeschaufelt werden. Auf denkmalgeschützten Fundstellen ist das Sondengehen generell verboten. Diese Fundstellen werden von Ragnar überwacht, um etwaiges illegales Sondengehen der Polizei melden zu können.

Trotz all der "zusätzlichen" Arbeit funktioniert dieses System für beide Seiten. Die Sondengänger in Vestfold wissen, dass sie durch ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Denkmalschutz leisten, denn die Funde, die sie abgeben, wären ohne ihr Engagement in den allermeisten Fällen für Denkmalschutz und Wissenschaft nicht zugänglich. Das Einbinden der Funddatenbank in ein geografisches Informationssystem ermöglicht das Auffinden neuer Fundstellen beziehungsweise liefert Informationen über bereits bekannte Fundstellen, wie das beispielsweise bei einem wikingerzeitlichen Handelsplatz in Gokstad der Fall war. Vor allem aber können Fundhäufungen auf Fundstellen hinweisen, auf denen sich keine Strukturen erhalten haben.

Bilder einer Kampagne im Rahmen des Projekts "Gokstad revitalisert", die dazu beitrug, die Fundstelle als wikingerzeitlichen Handelsplatz zu charakterisieren.
Foto: v. lia/VFK

Das Sondengehen wird wohl noch länger ein sehr komplexes und emotional aufgeladenes Thema für Archäologen und Sondengänger bleiben. Der Ansatz in Vestfold kann aber als Beispiel dienen, wie ein gelungenes Miteinander mit positiven Aspekten für beide Seiten aussehen kann. (Petra Schneidhofer, 28.3.2019)