Audi und Co bauen gerne in Ungarn Autos. Die notwendigen Arbeitskräfte verdienen immer besser, denn sie sind "Mangelware".

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Wien – Russlands Wirtschaft hat alle positiv überrascht. Das ist für Moskau nur ein schwacher Trost. Denn eigentlich hatten Ökonomen einen noch stärkeren Wachstumseinbruch erwartet. Heuer soll die russische Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent zulegen, nach 2,3 Prozent im Vorjahr, wie aus einer neuen Konjunkturprognose für 23 Länder Osteuropas des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervorgeht. 2018 war damit das beste der letzten sechs Jahre.

Mehr noch: Russland hatte einen rekordhohen Leistungsbilanzüberschuss. Dank des höheren Ölpreises stiegen die Exporteinnahmen um rund 20 Prozent. Während sich China und die USA gegenseitig mit Zöllen eindeckten, stieg Russland zum weltgrößten Getreideexporteur auf, trotz eines Dämpfers bei den Ernteerträgen durch Dürren. Das günstige Umfeld bescherte dem Kreml üppige Einnahmen und einen Budgetüberschuss.

Der globale Rückenwind flaue nun ab, schätzt der Ökonom Peter Havlik. Angesichts der US-Sanktionen schwinden die Investitionen. Gleichzeitig fließt Kapital ab, um die hohen Auslandsschulden zu bedienen. Die lahmende Entwicklung und die düsteren Aussichten untergraben Präsident Wladimir Putins Rückhalt in der Bevölkerung, betont Havlik. Dessen Ambition, Russland zur fünftgrößten Volkswirtschaft zu erheben, scheint aussichtslos.

Demonstranten zogen 2018 gegen Putins Pensionsreformen auf die Straßen Moskaus – die erwartete Wirtschaftsflaute, dürfte seinen Rückhalt in der Bevölkerung weiter drücken.
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Abgesehen von der Türkei, der heuer eine Rezession droht, steht die Region besser da. Dabei sticht Ungarn als Wachstumsschampion 2018 heraus. Präsident Viktor Orbáns Strategie, EU-Gelder so rasch wie möglich abzuzapfen, ist ein wesentlicher, wenn auch kurzfristiger, Impuls. Außerdem kauften die Ungarn fleißig ein; die Realeinkommen wuchsen mehr als doppelt so schnell wie die Wirtschaft.

Die Ursache und Kehrseite dieser Entwicklung ist ein akuter Arbeitskräftemangel, der sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschärfte, wie der Ökonom Richard Grieveson erklärt. Das Problem besteht in der ganzen Region. Auch der Brexit werde wenig daran ändern. Zwar würden viele Polen und andere EU-Bürger das Vereinigte Königreich verlassen, aber es zieht sie eher nach Deutschland oder Österreich. Das dürfte zumindest den hiesigen Fachkräftemangel etwas lindern. (Leopold Stefan, 28.3.2019)