Gemeinsames Lernen war auch in meinem ersten Studium ein Erfolgsgarant.

Foto: FH Joanneum / Stefan Leitner

Ich bin wieder voll im Studierendenleben angekommen: mit allen dazugehörigen Benefits. Ich freue mich beispielsweise jeden Tag in der Früh darüber, dass mein Wecker später läutet als noch zu Bürozeiten. Weniger erfreut bin ich, wenn eine Deadline gefährlich nahe rückt und das leichte Herzrasen beginnt, weil das Programm noch nicht so läuft wie es sollte, oder wenn die Nervosität vor Prüfungen steigt – aber auch das gehört die nächsten drei Jahre wieder zu meinem Leben.

Eineinhalb Monate nach Semesterstart befinden wir uns in der ersten heißen Phase: drei Wochen mit drei sogenannten Labtests, einem Matheübungsblatt und einer Präsentation abgerundet mit den normalen Vorlesungen, wöchentlichen Programmierübungen und English Tasks. Ich befinde mich gerade irgendwo in der Mitte und kämpfe mich gemeinsam mit meinen Studienkolleginnen und -kollegen von "Mobile Software Development" durch. Und das schweißt zusammen. Es gibt immer jemanden mit demselben Problem und auch sicherlich wen im Jahrgang, der Abhilfe schaffen kann.

In den Übungen mitlernen

Was ich an der FH JOANNEUM besonders mag, ist, dass alles, was in Vorlesungen theoretisch behandelt wird, auch praktisch angewandt wird. Ich habe kaum klassische Vorlesungen mit Fragenkatalog, Pflichtliteratur und großer Abschlussprüfung, sondern viele Übungen und Seminare. Abgestimmt auf die Vorlesung gibt es zum Beispiel jede Woche Programmierübungen – meist sogar mehrere. Anhand von konkreten Aufgaben wird die bisher gelernte Theorie umgesetzt. Wie das konkret aussieht? Ich habe zum Beispiel schon ein Programm geschrieben, in das Zahlen eingegeben werden können, das Minimum und Maximum berechnet, andere mathematische Operationen durchführt und testet, ob es sich um eine Primzahl handelt. Oder ein anderes Programm, das Text en- und dekodieren kann.

Auch bei Datenbanken, Betriebssystemen und Netzwerktechnologien werden die Fragezeichen, die während der Vorlesungen in meinem Kopf entstanden sind, in den Übungen meist deutlich reduziert. Zu diesen drei Fächern finden gerade auch die erwähnten Labtests – also Prüfungen zu Übungsinhalten – statt. Relationale Datenbanken hat vergangenen Montag den Anfang gemacht. Nach längerer Zeit wieder etwas zu lernen, ist gar nicht so einfach. Ich habe auf ein altbewährtes System aus Schulzeiten zurückgegriffen und alles Wichtige auf Zetteln zusammengeschrieben, sortiert und bunt markiert. Am Abend davor wiederholt: Et voilà – es hat hervorragend funktioniert.

Im Lerngrüppchen wiederholen

Beim Labtest bin ich auf mich alleine gestellt, deshalb habe ich beim Lernen auf meine eigenen Stärken gebaut. Wann immer es anders ist, ist schnell ein Lerngrüppchen gefunden: Da findet Austausch über die Ideen zur aktuellen Programmierübung statt, werden Präsentationen vorbereitet, mögliche Prüfungsinhalte durchgegangen oder die Ergebnisse des Matheübungsblattes verglichen.

Apropos Mathematik: Meinen ersten Moment, an dem ich am liebsten im Boden versunken wäre, habe ich auch schon hinter mir. Ein Fehler und einige Unsicherheiten beim Vorrechnen an der Tafel sind zwar an sich halb so schlimm, es war mir aber megapeinlich. Auch wenn ich mir vor Studienbeginn vorgenommen habe, meinen Perfektionismus zu zügeln, ist mir in der Situation klar geworden, dass ich noch daran arbeiten muss, nicht ganz perfekte Leistungen von mir zu akzeptieren. Das kommt auf die "Was ich im Studium noch fürs Leben lernen muss"-Liste.

Ich hätte mir nie gedacht, dass ich von vielen geschafften Programmierübungen und erfolgreichen Labtests nach eineinhalb Monaten Studium berichten kann und vor allem nicht, dass das mit null Programmiererfahrung vor Studienbeginn so leicht möglich ist. Ist es aber – und zwar ganz ohne Nervenzusammenbrüche oder Nachhilfe. Dank sei den Lehrenden, die sich an unserem Wissenstand orientieren und alle offenen Fragen beantworten, und meinen Studienkolleginnen und -kollegen. Und natürlich helfe auch ich wo ich kann. Teamwork ist das Zauberwort. Da kann es am Tag vor der Abgabe schon einmal passieren, dass um 21 Uhr eine WhatsApp-Nachricht eintrudelt: "Eva, hast du die Primzahlen mit einem Array gelöst?" In diesem Fall war meine Antwort ein einfaches "Nein, aber…" und schon das kann beim Finden des eigenen Programmcodes hilfreich sein.

Natürlich sind Übungen, regelmäßige Abgaben und das Lernen für Tests aufwändig. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Sitzen und von Vortragenden berieseln lassen, war sowieso nie möglich. Aber das ist auch gut so. Dass ich mich selbst mit den Inhalten von Woche zu Woche auseinandersetze, braucht zwar während des Semesters Zeit, hat aber einen klaren Vorteil: Beim Lernen für die Prüfungen und Labtests kommen mir die Inhalte bekannt vor – im Idealfall alle. In der Realität: viele. Dadurch muss ich nicht alles am Tag davor in meinen Kopf hineinwürden und vergesse es nicht direkt nach der Prüfung wieder. Das Fazit: Binge Learning spielt es an der FH nicht. Mitlernen ist gefragt.