Identitärer Österreicher auf Konferenzen mit Neonazis und Antisemiten

Der rechtsextreme Martin Semlitsch, bekannt als Martin Lichtmesz, reiste nach Skandinavien, um Neonazis zu treffen

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Banner gegen die rechtsextreme Identitäre Bewegung bei einer Gegendemo in Wien.

Foto: Standard/Fischer

Die Identitäre Bewegung Österreich treibt trotz Terrorermittlungen gegen ihren Chef Martin Sellner ihre internationale Vernetzung voran. Martin Semlitsch, der in der Szene unter dem Pseudonym Martin Lichtmesz bekannt ist, gilt als einer der Vordenker der Identitären Bewegung – er übersetzte etwa das identitäre Standardwerk "Der große Austausch", das vom französischen Philosophen Renaud Camus geschrieben wurde, auf Deutsch. Semlitsch ist gut mit Martin Sellner bekannt, Letzterer veröffentlichte etwa mehrere Videos von Semlitschs Youtube-Format "Auf eine Melange".

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Ultranationalisten

Dieser brach nun nach Skandinavien auf, um an gleich zwei rechtsextremen Konferenzen teilzunehmen. Am Samstag soll er beim "Scandza Forum" in Stockholm aufgetreten sein, bei dem sich Rechtsextreme und Neonazis tummeln.

Auf der Liste der Redner ist etwa Olena Semenyaka, Auslandsbeauftragte des ultranationalistischen ukrainischen Asow-Regiments. Sie posierte auf Fotos vor einer Fahne mit Hakenkreuz und hat keine Berührungsängste mit Gruppen wie dem deutschen "III. Weg", dem der deutsche Verfassungsschutz "signifikanten Einfluss von Neonazis" attestierte.

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Offener Antisemitismus

Außerdem wurde Mark Collett angekündigt, der online Theorien vom "jüdischen Einfluss auf die Flüchtlingskrise" verbreitet. Für ihn ist der Nationalsozialismus eine "einigende Kraft, die in ihrer puren Form den Westen vereinen und von seinen Feinden befreien kann", wie die "Washington Post" berichtete.

Mit von der Partie war offenbar auch Greg Johnson, ein US-amerikanischer Rechtsextremer und Antisemit, der einen rein weißen Staat propagiert, weil sich schwarze US-Amerikaner laut seinen kruden Theorien "mit der Lebensweise der Weißen nicht wohlfühlen". Johnson sprach auch schon davon, dass "Juden der prinzipielle Hauptfeind" der weißen Nationalisten seien.

Organisator: Die "SS"

Von Stockholm reist der Identitäre Semlitsch dann offenbar weiter nach Finnland, wo am 6. April die Konferenz "Awakening II" stattfindet. Dort soll neben Semlitsch auch Kevin Macdonald sprechen. Er verbreitet seit Jahren antisemitische Verschwörungstheorien darüber, dass die Juden den Holocaust selbst provoziert hätten, indem sie sich nicht in die "westliche Gesellschaft" integriert haben. Organisiert wird der Event von der faschistischen finnischen Bewegung Suomen Sisu, deren Abkürzung wohl nicht zufällig "SS" lautet.

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Keine Berührungsängste

Die Reisebewegungen von Semlitsch zeigen, dass die Identitäre Bewegung keine Berührungsängste mit Antisemiten und Neonazis aufweist. Durch ihre starke internationale Vernetzung ist es auch nicht überraschend, dass der australische Terrorist Brenton T., der in Neuseeland 50 Muslime ermordet haben soll, auf die Identitäre Bewegung Österreich und deren Chef Martin Sellner gestoßen ist. (Fabian Schmid, 31.3.2019)

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