Salzburg – Wegen einer Europarechtsprüfung an der Juridischen Fakultät ist an der Universität Salzburg ein Streit entbrannt. Die Uni hat den 106 Studierenden die schriftliche Prüfung aberkannt, weil auf den Klausurbögen die richtigen Antworten erkennbar waren. Die ÖH Salzburg prüft nun rechtliche Schritte.

Wegen des hohen Anteils an Einsern vermuteten die Professoren offenbar zunächst, dass Studierende den Computer gehackt hätten. Erst nach mehreren Nachfragen wurden sie auf den Fehler aufmerksam: Auf dem Ausdruck, der für die Prüfungskopien verwendet wurde, waren die Musterlösungen des Multiple-Choice-Tests jeweils in Grün oder Rot markiert. Auf den schwarz-weiß kopierten Prüfungsbögen waren die richtigen Antworten dann wegen des unterschiedlichen Kontrasts erkennbar – das führte zu einem äußerst guten Prüfungsergebnis.

Am Freitag, einen Monat nach der Prüfung, wurden die Studierenden informiert, dass die Prüfung annulliert worden sei. Es seien keine Noten freigegeben oder eingetragen worden. "Prüfungstechnisch sind alle Studierenden so gestellt, als wären sie nicht angetreten", heißt es in dem Schreiben.

ÖH: Verlust der Familien- oder Studienbeihilfe droht

Die ÖH und die Fakultätsvertretung versuchen nun eine Beurteilung der Prüfung auf dem Rechtsweg einzufordern und prüfen auch Amtshaftungsansprüche. "Den ungeplanten Vorteil einiger zum Nachteil vieler zu machen werden wir als Studierendenvertreter nicht hinnehmen", sagt der Vorsitzende der Fakultätsvertretung, Tobias Neugebauer, zum STANDARD. Es gebe Studierende, die nun nicht genügend ECTS-Punkt in diesem Semester schaffen, um die Familien- oder Studienbeihilfe weiterhin zu bekommen. "Einige haben sich extra Urlaub genommen, um für die Prüfung zu lernen oder um anzutreten", sagt Neugebauer. "Es war eine Unachtsamkeit der Uni, da sollen nicht die Studierenden darunter leiden."

Der zuständige Vizerektor Erich Müller verteidigt hingegen die Aberkennung der Prüfung: "Bei 30 Prozent aller Prüfungen hat es extrem gute Leistungen gegeben. Das ist weit über dem Durchschnitt. So mussten wir davon ausgehen, dass demnach ein faires und korrektes Benoten nicht mehr möglich gewesen wäre", sagte er gegenüber dem ORF. (Stefanie Ruep, 2.4.2019)