Marcel Halstenberg sorgte sehr spät und kurz vor einem Elfmeterschießen per Handelfmeter für die Entscheidung.

Foto: REUTERS/Andreas Gebert

Im Zentrum der Hamburger Jubeltraube: Pierre-Michel Lasogga.

Foto: REUTERS/Wolfgang Rattay

Augsburg/Paderborn – RB Leipzig ist am Dienstagabend zum ersten Mal in der Club-Geschichte ins Halbfinale des deutschen Fußball-Cups eingezogen. Die Elf von Trainer Ralf Rangnick mühte sich in einer chancenarmen Partie beim FC Augsburg zu einem 2:1-Sieg nach Verlängerung. Für die Entscheidung sorgte Marcel Halstenberg mit einem verwandelten Handselfmeter in der 121. Minute, den Michael Gregoritsch verschuldet hatte.

Österreicherauflauf

Zuvor hatten Timo Werner (74.) und Augsburgs Alfred Finnbogason (94.) in der letzten Aktion der regulären Spielzeit getroffen. Augsburg verabsäumte es, nach 2010 wieder einmal in die Vorschlussrunde vorzustoßen. Bei den Siegern durften Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und der in der 84. Minute eingetauschte Stefan Ilsanker jubeln. Auch bei Augsburg waren drei Österreicher im Einsatz, die beiden Defensivspieler Kevin Danso und Georg Teigl spielten genauso durch wie Stürmer Gregoritsch.

Die Partie entwickelte sich in Anbetracht der bisherigen beiden Saisonduelle, die jeweils torlos geendet hatten, erwartungsgemäß. Vor der Pause gab es auf beiden Seiten nicht wirklich eine Topmöglichkeit, ein Weitschuss von Gregoritsch (32.) zählte schon zum Gefährlichsten. Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich an der Charakteristik des Spiels wenig – bis zur 74. Minute. Da führte ein Leipziger Konter zum Erfolg. Teigl verlor bei einem Soloversuch im Bereich des gegnerischen Sechzehners den Ball, die Gäste schalteten blitzschnell um und Danso zog im Laufduell mit Werner den Kürzeren, konnte ihn am Abschluss nicht mehr hindern.

Leipziger Freudentänzchen.
Foto: APA/AFP/dpa/SVEN HOPPE

Danach drängten die Augsburger auf den Ausgleich und wurden in der letzten Aktion vor Ende der regulären Spielzeit belohnt. Finnbogason lenkte eine Richter-Flanke elegant mit der Fußspitze ins Tor (94.). Ilsanker stand nicht richtig, verpasste den Ball. In der Verlängerung ging es hin und her, der Ball wollte aber erst im Finish ins Tor, wegen eines Aussetzers von Gregoritsch, der den Ball bei einer Flanke klar ersichtlich mit der Hand berührte, als eigentlich schon alle mit einem finalen Elfmeterschießen gerechnet hatten. Die Chance vom Punkt ließ sich Halstenberg nicht entgehen. Nach dem Abpfiff dauerte es einige Minuten, bis sich die Gemüter beruhigten.

HSV auf Kurs Berlin

Auch der Hamburger SV ist dank Pierre-Michel Lasogga erstmals seit zehn Jahren wieder in das Halbfinale eingezogen. Das Team von Trainer Hannes Wolf setzte sich im Zweitliga-Duell beim SC Paderborn verdient mit 2:0 (0:0) durch und darf weiter vom vierten Pokalgewinn der Vereinshistorie träumen.

15 Jahre nach dem Skandalspiel an gleicher Stelle sorgte der starke Lasogga mit seinem Pokaltreffern Nummer fünf und sechs (54./68.) für die Entscheidung. Die Rothosen stehen damit zum 15. Mal in ihrer Vereinsgeschichte im Halbfinale.

"Es ist unbeschreiblich, das ist das erste Mal in meiner Karriere, dass ich im Halbfinale des DFB-Pokals stehe", sagte Matchwinner Lasogga bei Sky: "Der Sieg war mehr als verdient, wenn man sieht, wie wir aufgetreten sind. Die Führung war ein Dosenöffner für uns, danach haben wir das Spiel dominiert."

Vor der Partie hatte der ehemalige HSV-Angreifer Ivica Olic, mit sechs Treffern in der Pokalsaison 2008/2009 Hamburgs erfolgreichster Schütze, in der Bild gefordert, Lasogga solle sich seinen "Pokal-Rekord schnappen" – mit Erfolg.

Erinnerungen an Manipulations-Schiri Hoyzer

Der HSV und Paderborn begegneten sich zum dritten Mal im DFB-Pokal. Im letzten Duell 2004, damals noch im Hermann-Löns-Stadion, manipulierte der damalige Schiedsrichter Robert Hoyzer die Partie, in der sich der damalige Regionalligist Paderborn nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2 gegen den Bundesligisten aus Hamburg durchgesetzt hatte.

Die Entscheidung beim Wiedersehen fiel nach der Pause. Nach einem Eckball überwand Lasogga Paderborn-Schlussmann Zingerle per Kopf, 14 Minuten später egalisierte er Olics Rekord und sorgte mit einem Flachschuss im Strafraum zudem dafür, dass die Hamburger nach der bitteren Halbfinalniederlage gegen Werder Bremen vor zehn Jahren erstmals seit dem letzten Pokalerfolg 1987 wieder ins Endspiel nach Berlin einziehen können.

Die weiteren Halbfinalisten werden am Mittwoch in den Partien Bayern München (David Alaba) – Zweitligist 1. FC Heidenheim (Nikola Dovedan/18.30) sowie Schalke 04 (Guido Burgstaller/ohne Alessandro Schöpf/verletzt) – Werder Bremen (Martin Harnik, Marco Friedl) ermittelt. Die Halbfinal-Spiele werden am 23./24. April ausgetragen, das Finale steigt am 25. Mai in Berlin.(APA, sid, red, 2.4.2019)