2016 sagte Zeman (links) noch: "Ich leugne nicht, dass ich ein Fan von Herrn Hofer bin – weil ich die Grünen nicht mag." Heute trifft er seinen Amtskollegen in der Hofburg.

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Der tschechische Präsident Miloš Zeman wurde am Mittwoch in Wien von seinem Amtskollegen Alexander Van der Bellen empfangen. Auch Treffen mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer, Altkanzler Franz Vranitzky und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) stehen auf dem Programm seines Wien-Besuchs.

Zeman war einst Chef der tschechischen Sozialdemokraten, ist aber seit langem nicht mehr Parteimitglied. Zuletzt hatte er international vor allem durch seine radikale Ablehnung muslimischer Zuwanderung nach Europa von sich reden gemacht, den Islam bezeichnete er einmal als "Religion des Hasses".

Thema der Gespräche in Wien sollte neben den allgemeinen bilateralen Beziehungen vor allem die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur sein. Für Tschechien sei insbesondere "die Fertigstellung der Autobahnverbindungen Brünn–Wien und Prag–Budweis–Linz wichtig", sagte ein Sprecher Zemans im Vorfeld. Auch das nie verwirklichte Projekt des Donau-Oder-Elbe-Kanals, dessen Umsetzung Zeman seit vielen Jahren vorantreiben will, stand auf der Agenda. Zeman wird von Verkehrsminister Dan Ťok und Wirtschaftsministerin Marta Nováková begleitet.

Kritik an Häupl

Bereits am Dienstagabend hatte Zeman in der tschechischen Botschaft in Wien eine kurze Rede vor Auslandstschechen gehalten. Darin übte er unter anderem Kritik an dem ebenfalls im Saal anwesenden Wiener Ex-Bürgermeister Michael Häupl, dem er erst im Oktober 2017 auf der Prager Burg eine hohe staatliche Auszeichnung verliehen hatte.

Häupls 24-jährige Amtszeit sei zwar für die Wiener Bevölkerung positiv gewesen, auf der Negativseite verbuche Zeman jedoch, dass die Stadt die im dritten Bezirk angesiedelte tschechische Komenský-Schule mit "keinem Schilling" gefördert habe. Wie die Schule dem STANDARD am Mittwoch bestätigte, ist diese Aussage aber falsch: Die Komenský-Schule habe vom Rathaus sehr wohl finanzielle Unterstützung erhalten.

In der Rechtfertigung seiner Kritik an Häupl setzte Zeman während seiner Rede dennoch noch eins drauf: "Wissen Sie, warum ich seit 30 Jahren in der Politik bin, sechs Jahre länger als Sie?", fragte er an Häupl gewandt. "Weil ich immer ehrlich war und nie jemandem geschmeichelt habe." Ganz geht die Rechnung nicht auf: Zeman trat im Zuge der Samtenen Revolution Anfang 1990 in die Politik ein. Unter anderem war er von 1998 bis 2002 Premierminister, seit 2013 ist er Staatspräsident. Dazwischen allerdings übte er keine offizielle Funktion aus.

Unterstützung für Hofer

Auch im Bezug auf Österreich war es nicht das erste Mal, dass Zeman bei einem öffentlichen Auftritt nicht ganz auf Stand ist. Im tschechischen Präsidentschaftswahlkampf 2017/18 verteidigte er in einer Fernsehdiskussion seine Unterstützung für den ehemaligen freiheitlichen Präsidentschaftskandidaten Hofer, den er ein Jahr zuvor – während seiner ersten Amtszeit – auf der Prager Burg empfangen hatte. Hofer habe danach zwar gegen "Alexander Van Bellen" (sic) verloren, sei aber nun immerhin als Außenminister im Gespräch, sagte Zeman damals in der Debatte – zu einem Zeitpunkt, als Hofer bereits Verkehrsminister war.

Am Donnerstag steht noch ein "privates Treffen" Zemans mit Hofer auf dem Programm. Vor der österreichischen Präsidentenstichwahl Anfang 2016 hatte Zeman in Anspielung auf den ehemaligen Grünen-Chef Van der Bellen erklärt: "Ich leugne nicht, dass ich ein Fan von Herrn Hofer bin – weil ich die Grünen nicht mag." Im Jahr 2000, vier Jahre vor Tschechiens EU-Beitritt, hatte sich die Regierung Zeman noch den Sanktionen angeschlossen, die die EU-Staaten damals wegen der freiheitlichen Regierungsbeteiligung gegen Österreich verhängt hatten.

Raucherfreunde

Immerhin freute Zeman sich am Dienstag in der tschechischen Botschaft bereits auf das Treffen "mit dem Raucher Van der Bellen". Dass dieser seine Leidenschaft für Zigaretten teilt, hatte Zeman bereits bei der letzten Begegnung in Prag nicht unerwähnt gelassen.

Auch den bevorstehenden kulinarischen Genüssen sah er mit Vorfreude entgegen: Am Donnerstag werde er seinen Besuch am Stadtrand Wiens beenden, in einem Lokal am Donau-Oder-Kanal oder, besser gesagt, an einem der einst verwirklichten Bauabschnitte. Weder in Tschechien noch in Österreich seien derzeit die Grünen im Parlament vertreten, sagte Zeman. Bauprojekte wie die von ihm seit langem propagierte Fertigstellung des Kanals könnten somit leichter umgesetzt werden, glaubt er. Grüne würden diese immer erschweren, weil sie stets "irgendein Fröschlein, irgendein Käferchen oder irgendein Blümchen" fänden, das geschützt werden müsse.

Auch der Besuch in einem bekannten Restaurant mit Wiener Küche stehe noch auf dem Programm, so Zeman: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch vom Tafelspitz." (Gerald Schubert, 3.4.2019)