Was denken Studierende über die Junos und was hat Kandidat Rohrmoser vor?
DER STANDARD

Ein Student in grünem Sakko hält einen Flyer hoch, kneift die Augen zusammen und vergleicht das Bild mit dem Original ein paar Schritte weiter. Dort verteilt Nino Rohrmoser, Spitzenkandidat der der Jungen liberalen Studierenden (Junos), Flugblätter mit seinem Abbild. "Ich war in acht Bundesländern, da trifft man auf sehr verschiedene Leute", sagt der 22-Jährige.

Und auch sehr unterschiedliche Probleme findet Rohrmoser auf seiner Wahlkampf-Tour. Unzufriedenheiten sammeln die Junos auch vor dem Wiener Juridicum. Kein Tageslicht, Knock-Out-Prüfungen und schlechte Innenausstattung: Schlagworte, die sich auf den gelben Post-Its der Studierenden finden. Die Anregungen wollen die Junos nach der ÖH-Wahl angehen. Die Bundesvertretung würde sich zu sehr um Allgemeinpolitik als um die Interessen der Studierenden kümmern. Das Ziel der Junos für die Wahl von 27. bis 29. Mai: Die Exekutive aus VSStÖ, Gras und FLÖ "zu brechen und abzuwählen".

Auf gelben Post-Its verewigen Studierende des Wiener Juridicums die Missstände in ihrem Studium. Spitzenkandidat Nino Rohrmoser will die Probleme nach der ÖH-Wahl angehen.
Foto: Laura Fleischmann

Dafür brauchen die Pinken aber einen Mandatszuwachs. Derzeit halten die Junos 12,6 Prozent und damit sieben der 55 Mandate im bundesweiten Studierendenparlament. Wie viel genau dazu gewonnen werden soll, will der Wirtschaftsrechtstudent nicht sagen.

Allein auf weiter Flur

Vor dem Juridicum sind die Junos die einzigen, die an diesem Vormittag Wahlkampf machen. Dafür sind sie viele. Mehr als ein Dutzend der Hochschulpolitiker lockt Studierende auf dem Weg in die Uni mit gratis Kaffee, Kuchen und Süßkram. Übersehen kann man sie dabei kaum: Der Großteil von ihnen zeigt in pinken Kapuzenjacken mit der Aufschrift "jung und frei" gekleidet Flagge. Die Studierenden seien "frustriert" von der Arbeit der aktuellen Exekutive, deren Hauptarbeit darin liege, "auf die Barrikaden zu gehen", analysiert Rohrmoser.

Mit gratis Kaffee, Kuchen und Süßkram locken die Junos an ihren Stand.
Foto: Laura Fleischmann

Das spiegle sich auch in der niedrigen Wahlbeteiligung wider. Denn bei der Wahl im Jahr 2017 erreichte diese einen historischen Tiefpunkt. Nicht einmal ein Viertel der Wahlberechtigten gab seine Stimme ab. Trotzdem kann sich Rohrmoser mit fast allen Fraktionen eine Koalition vorstellen. Einzig die beiden kommunistischen Listen und den blauen RFS schließt er aus. Alle drei seien "zu extrem".

Ginge es nach den Junos, sehe die Vertretung sowieso ganz anders aus. Sie wollen die "Zwangsmitgliedschaft" für rund 20 Euro im Semester Schritt für Schritt abschaffen. Studierende sollen nach dem ersten Semester selbst entscheiden, ob sie freiwillig ÖH-Mitglied bleiben, oder nicht. Dass die ÖH dadurch an Relevanz einbüßen könnte, fürchtet Rohrmoser nicht. "Auch die Gewerkschaft oder die Industrieellenvereinigung haben freiwillige Mitgliedschaften, aber sie sind eine starke Lobby."

Aus wollen wird machen

Auf den Junos-Plakaten, die um das Unigebäude stehen, findet sich der Spruch "Wir wollen mehr". Doch ein Sticker ändert den Slogan – das Wort "wollen" wird durch durchgestrichen, und durch "machen" ersetzt. Woher das kommt? Zwar haben die Junos als erste ihren Spitzenkandidaten präsentiert, die Plakate hat aber eine andere Fraktion vor ihnen aufgestellt. "Wir wollen mehr", heißt es auf den Plakaten der roten Studierenden vom VSStÖ. "Nach fast 20 Jahren in der ÖH-Exekutive zu sagen, man will mehr, ist ein Schlag ins Gesicht der Studierenden. Wir Junos machen mehr", sagt Rohrmoser. (Oona Kroisleitner, 10.4.2019)