Betriebe wollen wieder mehr junge Leute ausbilden.

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Wien – Handwerk und Gewerbe verzeichneten 2018 ihr erfolgreichstes Jahr seit 2011 und steigerten den Umsatz um drei Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter legte wie erhofft um 30.000 zu, sagte Spartenobfrau Renate Scheichelbauer-Schuster am Dienstag in Wien. Derzeit sei die Auslastung der Betriebe sehr gut, größtes Problem sei der Facharbeitermangel.

Gute Entwicklung

Das Wachstum im ersten Quartal 2019 war im Vergleich zum Vorjahr "etwas durchwachsener", die Umsatzsteigerungen flachten sich ab, sagte Scheichelbauer-Schuster. Für 70 Prozent der Betriebe gelte aber, dass der Umsatz gleich geblieben ist. Lediglich "einige wenige Branchen" hätten Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Auch die Auftragsentwicklung sei sehr gut. Nur die Hälfte der Betriebe könnte überhaupt sofort einen neuen Auftrag annehmen. Um Investitionen in Digitalisierung und Technologisierung zu ermöglichen, wünscht sich die Branchenobfrau einen Investitionsfreibetrag.

Zum Handwerk und Gewerbe gehören 240.000 Betriebe mit 790.000 Beschäftigten, 45 Prozent der Betriebe beklagen einen Facharbeitermangel. Der Fachkräfteradar der Wirtschaftskammer zeige, wie akut der Fachkräftemangel in einzelnen Branchen, vor allem in Westösterreich, sei. In einzelnen Gebieten gebe es – rechnerisch – auf 100 offene Stellen weniger als zehn arbeitslose Facharbeiter. Auch für mehr überregionale Vermittlung setze man sich ein.

Investition in die Lehre

Nicht zuletzt deshalb würden die Betriebe wieder deutlich stärker in die Lehre investieren. Im Vorjahr gab es 5,9 Prozent mehr Lehrlinge im ersten Lehrjahr, sagte Scheichelbauer-Schuster. Das Plus hätte noch größer sein können, "wenn wir mehr junge Menschen in die Ausbildung bekommen könnten". Die Branche wünscht sich Förderprogramme für erwachsene Lehrlinge und einen flächendeckenden und verpflichtenden Talentecheck. Der Bereich stellt die Hälfte aller Lehrplätze in Österreich.

Punkten könne man bei jungen Menschen mit Familienfreundlichkeit und der Möglichkeit im ländlichen Raum zu bleiben, sagte Scheichelbauer-Schuster. Das neue Arbeitszeitgesetz sei "im Prinzip gut", die Betriebe seien zufrieden, die Mitarbeiter aber auch, "gerade in den kleineren Betrieben". Denn es finde sich immer jemand, der anstehende kurzfristige Arbeiten erledigen könne und dafür gerne Zeitausgleich nehme – vor allem am Freitag seien halbe freie Tage in ihrem Betrieb sehr beliebt. (APA, 9.4.2019)