Wien – Der STANDARD-Kommentar von Fritz Neumann "Alter weißer Männersport: Probleme der Skifahrt sind hausgemacht" stellt keinen Verstoß gegen den Ehrenkodex der österreichischen Presse dar. Zu diesem Urteil kommt der Presserat, nachdem sich Leser über den Artikel beim Selbstkontrollorgan der Presse beschwert hatten.

Neumann kritisierte am 17. Februar 2019 anlässlich der SKI-WM in Åre, dass "sportlich uninteressante Bewerbe" wie etwa die Kombination oder der Teambewerb stattfinden und der Unterhaltungswert gegen Null gehe. Die alten weißen Männer würden im und für den Skisport wenig weiter bringen, sie sollten die Reißleine ziehen, damit ihnen üble Nachrede erspart bleibe, schrieb der Autor des Kommentars und meinte etwa Fis-Präsident Gian Franco Kasper oder ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Keine Diskriminierung

Leser kritisieren, dass es sich hier um eine Pauschalverunglimpfung und Diskriminierung handle, weil die Kritik an der FIS "mit dem mehrmaligen Verweis auf Geschlecht, Alter und Hautfarbe begründet" werde. Es entstehe der Eindruck, dass die Ursache für die Probleme im Alter, Geschlecht und/oder der weißen Hautfarbe der Verantwortlichen läge.

Der Senat des Presserats hält fest, dass gerade bei Kommentaren die Meinungsfreiheit besonders weit reichen und begründet: "Im vorliegenden Kommentar beleuchtet der Verfasser aus seiner Sicht die Probleme im alpinen Skisport. Er kritisiert dabei nicht pauschal eine durch Alter, Geschlecht und Hautfarbe definierte Gruppe, sondern ganz konkret die Funktionäre der FIS, die seiner Meinung nach für diese Probleme verantwortlich sind. Diese Personen sind zum überwiegenden Teil Männer im fortgeschrittenen Alter. Die Formulierung "alte weiße Männer" entspricht den tatsächlichen Gegebenheiten."

Die FIS-Vorstandsmitglieder seien Personen des öffentlichen Lebens und müssten besonders viel Kritik aushalten. In der Formulierung erkennt der Presserat weder eine Pauschalverunglimpfung noch eine Persönlichkeitsverletzung. Aus diesem Grund werde kein Verfahren eingeleitet, heißt es. (red, 11.4.2019)