Die RBI will über einen Zukauf in Ungarn wachsen.

Foto: Reuters / Leonhard Foeger

Wien/Budapest – Die Raiffeisen Bank International (RBI) zeigt Interesse an einer möglichen Privatisierung der ungarischen Budapest Bank. "Die Strategie und das Portfolio der Budapest Bank könnten eine gute Alternative zur organischen Wachstumsstrategie sein", sagte eine RBI-Sprecherin am Donnerstag zu Reuters.

Die Synergien aus einem möglichen Zusammengehen der beiden Banken könnten zu einem höheren Kreditvolumen in der Region führen und den Wert der ungarischen Tochterbank erhöhen, heißt es. Auch der RBI-Rivale Erste Group, der ebenfalls stark in Osteuropa vertreten ist, hatte zuvor bereits grundsätzliches Interesse an einer möglichen Übernahme der Budapest Bank signalisiert.

Ungarn war für die RBI der erste Auslandsmarkt. Heute sind die Österreicher mit ihrer ungarischen Tochter die fünftgrößte Bank des Landes gemessen am Kreditvolumen. Die ungarische Regierung will in Gesprächen mit Banken ausloten, welcher Preis bei einem Verkauf der Budapest Bank lukriert werden könne und ob zumindest der Preis erzielt werden kann, den der Staats selbst vor einigen Jahren bezahlt hat.

Ungarn hatte die Budapest Bank 2015 von der Finanzsparte von General Electric für 700 Mio. US-Dollar (620,6 Mio. Euro) gekauft. Bis Ende Juni sollen Ergebnisse auf dem Tisch liegen, heißt es in einer im Jänner veröffentlichten offiziellen Veröffentlichung. Nach den Plänen von Ministerpräsident Viktor Orban sollen mindestens 50 Prozent des Bankensektors im ungarischen Eigentum bleiben.

Europa braucht größere Banken

Europa braucht nach Ansicht des Chefs der italienischen Großbank Unicredit aber ohnehin größere Banken. Die UniCredit hält für sich selbst grenzüberschreitende Fusionen aber für extrem schwierig und eher unwahrscheinlich, sagte Jean-Pierre Mustier am Donnerstag. Zu dem kolportierten Interesse seines Hauses an der deutschen Commerzbank wollte Mustier sich nicht äußern.

Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters vergangene Woche gesagt, die Bank-Austria-Mutter werde sich zwar nicht in die laufenden Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und Commerzbank einschalten, stehe aber bereit, falls diese scheiterten. Der Mailänder Finanzkonzern hatte vor zwei Jahren schon einmal mit der Commerzbank geliebäugelt.

Ermittlungen wegen Anleihenkartell

Die Ermittlungen der EU-Kommission gegen Unicredit wegen einer Beteiligung an einem Anleihenkartell seien kein großes Thema, sagte Mustier. "Wenn Sie wüssten, was ich weiß, würden Sie den Namen eines Shakespeare-Stücks nutzen und sagen: Viel Lärm um Nichts." Die EU verdächtigt Unicredit und sieben andere Banken, zwischen 2007 und 2012 beim Handel mit europäischen Staatsanleihen durch Absprachen den Wettbewerb verzerrt zu haben. (APA, Reuters, red, 11.4.2019)