Schokolade mit Fairtrade-Siegel könnte teurer werden. Die Mehrheit der Kakaobauern in der Elfenbeinküste – dem weltweit größten Anbaugebiet – leben unter der absoluten Armutsgrenze.

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Wien – Fairtrade erhöht im Oktober den an die Bauern ausgezahlten Fairtrade-Mindestpreis für konventionellen Kakao von 2.000 auf 2.400 US-Dollar pro Tonne. Aktuell liegt der Weltmarkt-Kakaopreis bei 2.360 Dollar. In den vergangenen fünf Jahren schwankte der Preis zwischen 1.800 und 3.500 Dollar. In der Elfenbeinküste – dem weltweiten größten Kakaoanbaugebiet – lebt der Großteil der Bauern unter der Armutsgrenze.

Eine von der NGO in Auftrag gegebene Umfrage im Jahr 2016 unter mehr als 3.200 Kakaobauern in der Elfenbeinküste, die für Fairtrade produzierten, kam zu einem ernüchternden Ergebnis. Das Einkommen von 58 Prozent der befragten Haushalte lag unterhalb der absoluten Armutsgrenze. "Das ist völlig inakzeptabel", sagte Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner zur APA.

Erhöhungen sollen "nur fallweise" die Kunden tragen

Die heimischen Süßwarenhersteller, die Fairtrade-Kakao beziehen, wollen mögliche Preiserhöhungen schlucken oder fallweise an die Kunden weitergeben. "Alle haben signalisiert, dass sie das mittragen werden", so Kirner. In Österreich verwenden unter anderem Berger, Heindl, Heidi/Niemetz und Manner den Fairtrade-Kakao in ihren Produkten. Der langjähriger Fairtrade-Kunde Josef Zotter beendete im Vorjahr nach Kritik an dem 2014 eingeführten Fairtrade-Zutatensiegel die Zusammenarbeit mit der NGO. "Sie erlaubt es, dass in einem Fairtrade-Produkt auch nicht fair gehandelte Rohstoffe stecken", so seine damalige Kritik.

Fairtrade hebt die zusätzliche Prämie für die Kakaobauern ab Oktober auch von 200 auf 240 US-Dollar pro Tonne an. Die Fairtrade-Prämie geht an Kleinbauernorganisationen, etwa um die Qualität des Kakaoanbaus zu erhöhen und um Gemeinwohlprojekte wie Schul- und Straßenbau zu ermöglichen. Für Bio-Kakao soll der Fairtrade-Preis ab Oktober 300 Dollar über dem Weltmarktpreis oder dem Fairtrade-Mindestpreis liegen, je nachdem, welcher zur Zeit des Verkaufs höher ist.

Die entwicklungspolitische NGO Südwind begrüßt die angekündigte Kakao-Mindestpreiserhöhung durch Fairtrade und drängt auf weitere Erhöhungen. "Während am Kakaomarkt die großen Profite von den internationalen Konzernen eingefahren werden, bleiben die Kakao-Produzentinnen und -Produzenten oft auf der Strecke", wird Südwind-Bereichsleiter Stefan Grasgruber-Kerl in einer Aussendung zitiert. "Schokolade-Unternehmen, die es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen, müssen auch bereit sein, mehr für den Kakao zu bezahlen", so der NGO-Vertreter. (APA, 11.4.2019)